Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 329

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Jüdische Volksschulen oder nicht?
Date
1901-06-01
Page
329 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316683-2327949--08297-2328049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Volksschulen oder nicht? 329 werden, worin aufgefordert wird, „zur Bekämpfung des nur zu sehr verbreiteten Dorurtheils, als ob die Schulen Zunächst die Sache einzelner Religionsparteien wären und sein müßten; denn es sei nicht zu leugnen, daß die Schulen als Institute des Staates und nicht einzelner Konfessionen zu betrachten wären." Auf diesen Grundsatz zurückgehen, heißt fortschreiten. Es ist ein falscher Standpunkt, dem religiösen Frieden der einzelnen Konfessionen unter einander durch Gründung von Konsessionsschulen das Wort zu reden, im Gegentheil, durch die starre Abschließung wird der Ausgleich religiöser Differenzen erschwert. Wir wollen uns nicht absondern, daswünschen unsere Gegner. Vom nationalen Standpunkte aus, den man doch in unseren Tagen so gern betont, erblickt Diesterweg in der Konfessionsschule ein störendes Moment. Er ruft deßhalb aus: „Das Bewußtsein eines Gegensatzes zwischen Christen und Juden. Katholiken und Protestanten muß dem Kinde ferngehalten werden. Oder wollt ihr Eigenschaften der Trennung und Absonderung, des Hasses und des Fanatismus, die kein späterer Unterricht mehr vernichten kann, in die Kinderseele pflanzen?" — — — „Die Absonderung der Kinder nach der Konfession ihrer Eltern ist unzulässig; denn sie erzeugt, wie sie von dem Sondergeist, wo nicht von der Feindschaft und dem Haß ausgeht, auch nichts anderes als Sonderthum und Trennung. Die Jugend soll in gemeinsamen Anstalten ihre Grundbildung empfangen." Wenn nun behauptet wird, daß bei unseren Kindern durch Isolierung das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit gestärkt wird, so wagen wir den Einwand dagegen zu erheben, daß die Schule allein dies Bewußtsein nicht schaffen kann, und daß gerade bei dem geschäftlichen Treiben unserer Tage den Kindern ad oculos demonstriert wird, daß der Konkurrenzneid der Christen und Juden unter- und gegeneinander — mehr denn je — feindselige Gesinnung, Zerrissenheit erzeugt. Auch die Heiligkeit des Sabbats und der Festtage kommt den Kindern durch schulfreie Zeit nicht zum Bewußtsein, denn sie sehen die Entweihung des Sabbats und der Festtage. Zu Ungunsten der jüdischen Volksschule fällt aber ganz besonders folgendes Moment in die Wagschaale. In pädagogischen und anderen Kreisen zeigt sich das Bestreben, die Bildungsziele der Volksschule zu erweitern, um den Anforderungen der Gegenwart zu entsprechen. Es springt in die Augen, daß bei sogenannten Zwergschulen, d. h. Schulen mit einer geringen Anzahl von Kindern, von einer Erweiterung der intellektuellen Bildung nicht die Rede sein kann. Je klassenreicher eine Schule ist, desto größer ist die Leistungsfähigkeit. Sicherlich ist darum die Forderung sehr berechtigt, daß, wenn in einem Orte mehrere einklassige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.