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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 328

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Jüdische Volksschulen oder nicht?
Date
1901-06-01
Page
328 (sequence 3)
Language
German
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328 Im deutschen Reich. daran fest, daß die paritätische Schule gesunden pädagogischen Grundsätzen entspricht. Die -Verfechter der Konfessionsschule haben natürlich auch ihre Vertheidigungsgründe. Sie argumentieren, daß der Lehrer rückhaltlos bei allen Nnterrichtsdisziplinen die religiös-soziale Frage mitsprechen lassen kann, daß der Religionsunterricht als integrierender Theil des Gesammtunterrichts zur rechten Geltung kommt, daß das religiöse Bewußtsein gestärkt wird, indem die Feier von Sabbat und Festtagen in den Augen der Kinder durch Unterbrechung des Unterrichts die rechte Würdigung erfährt, daß Konflikte zwischen christlichen und jüdischen Kindern nicht Vorkommen, oder überhaupt, daß letzteren keine Unbill zugefügt werde. Wir behaupten dagegen, daß das allgemeine Bildungsziel nicht auf einen starren Konsessionalismus hinausläuft, sondern auf das einzige wahre Menschenthum sich gründet. Wir stehen auf dem Standpunkte Diesterwegs. Dieser vortreffliche Schulmann schreibt: „Der Lehrer ist Pädagog, zuoberst Pädagog, nichts als Pädagog. Was ihn davon abzieht, was ihn in singuläre, separatistische Richtungen hineinzieht, ist verderblich, verdirbt in ihm den Pädagogen, den Menschenerzieher. In dieser Ueberzeugung halten wir an dem Grundsätze fest: Keine Parteistellung des Lehrers, kein Parteitreiben, weder in religiöser noch in politischer Hinsicht! Aber die religiösen und politischen Parteien zerren an ihm, jede will ihn haben. Die pädagogische Gesinnung muß ihn dagegen schützen." (1852! Jahrb. für Lehrer von Diesterweg, Vortwort S. 15.) Wir bekämpfen den von dem getauften Juden Stahl geschaffenen Begriff „christlicher Staat"; wir machen Front gegen eine christliche, wie jüdische Volksschule. Der Staat ist paritätisch, er vereinigt Christen und Juden, Protestanten und Katholiken in sich und so müssen die Volksschulen paritätische sein. Mit vollem Reckt sagt der gemüthstiefe Emil Lehmann: „Im Kindergarten, auf dem öffentlichen Spielplätze, da waren sie alle gleich, die Kinder christlicher, jüdischer Eltern. Und über die Schulzeit hinaus, in der Lehre, in der militärischen Dienstzeit, im Beruf, im öffentlichen Leben, da sollen sie sich wieder alle gleich fühlen als Glieder eines großen Ganzeng des Vaterlandes, als Söhne einer gemeinsamen Mutter, der Heimath —, nur in die Schulzeit hinein, in die Zeit, da gesäet werden soll für s ganze Leben, da der Geist erwacht und gefördert werden soll in sorgsamer Obhut, nur da könnte konfessionelle Trennung das Richtige sein? Nimmermehr." (Emil Lehmann, Ges. Schr. S. 323.) Daß wir nicht für Utopien kämpfen, möge aus dem Hinweis auf einen Bericht des preußischen Oberkonsistoriums vom 18. Juli 1799 ersehen

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