Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Die Juden in Holland
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 324 (sequence 8)
- Language
- German
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324 Im deutschen Reich. durch den plötzlichen Zufluß von Arbeitskräften eine Ueberfüllung eingetreten, die bereits nachtheilig wirkt. Uebrigens sind im ganzen Lande im Handel und in jedem Industriezweig Juden thätig. Viele große Fabriken, die der holländischen Industrie zur Zierde gereichen, sind von Juden errichtet. Auch in der Beamten- und Gelehrtenwelt sind unsere Glaubensgenossen vortheilhast vertreten. In M. H. Godesroi hatte Holland in den siebziger Jahren einen jüdischen Justizminister, und auch jetzt hat der berühmte internationale Rechtslehrer T. M. C. Asser einen Sitz im Staatsrathe. An den verschiedenen Gerichtshöfen sind Juden thätig, so ist in dem höchsten, dem „Hohen Rath", ein Mitglied der in Holland rühmlichst bekannten jüdischen Juristenfamilie de Pinto. Beün Militär sowohl in Holland selbst als in den Kolonien haben sich jüdische Soldaten öfters ausgezeichnet und sind in jedem Rang vertreten. Um zur Kunst und Wissenschaft überzugehen, sei an erster Stelle auf Josef Israels hingewiesen, den größten der jetzigen holländischen Maler. Daß sein Judenthum ihm nicht schadet, kann man schon daraus ersehen, daß im Amsterdamer städtischen Museum sein Name als erster auf dem Deckengesims dem Eintretenden in's Auge fällt. Außer Israels sei aus der relativ großen Zahl jüdischer Künstler nur noch der kürzlich verstorbene David Bles genannt. Die große Anzahl der jüdischen Professoren an den vier holländischen Universitäten zeigt, welchen Rang die Juden auch in der Wissenschaft in Holland einnehmen. Selbst Utrecht, das als frühere geistliche und nicht weltliche Provinz am spätesten den Juden seine Thore geöffnet, hat augenblicklich in Prof. Simons einen bedeutenden Strasrechtslehrer, Prof, de Hartog und Prof. Josephus Jitta in Amsterdam und Pros. Oppenheim in Leiden sind ebenso als tüchtige Rechtslehrer bekannt, wie die Professoren Speyer und Polak in Groningen als Philologen. — Wunder wird es nicht nehmen, daß in der medieinischen Fakultät, schon in alter Zeit Lieblingsstudium der Juden, die Juden ebenfalls in Holland vertreten sind. Es sei hier nur auf Prof. Rosenstein, (den Sohn des verstorbenen Berliner Rabbinats- Assessor Rabbi Elchonon Rosenstein) in Leiden und die Professoren Stokvis und Mendes da Costa in Amsterdam hingewiesen. Der Vollständigkeit halber sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß unter den Aerzten und Advokaten in den meisten holländischen Städten anerkannt tüchtige Juden zu finden sind. Auch in der schönen Litteratur haben zwei Juden eine führende Stellung. Der eine, vr. A. Alletrino — der außerdem einer der ersten Vertreter der kriminal-anthropologischen Schule in Holland ist, — gehört der Gruppe