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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 325

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Die Juden in Holland
Date
1901-06-01
Page
325 (sequence 9)
Language
German
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Die Juden in Holland. 325 des literarischen „Jung-Holland" der achtziger Jahre an, der andere, Hermann Heiermanns, hat sich durch seine realistischen und sozialistischen Romane und Dramen einen hervorragenden Namen erworben. Wenn man in Holland von den jüdischen Größen spricht, dann gehören auch immer die Rabbiner dazu. Unter ihnen nimmt der Amsterdamer Oberrabbiner vr. I. H. Dünner die erste Stelle ein. Als er im Jahre 1862 zum Rektor des holländischen Rabbinerseminars in Amsterdam ernannt wurde, reorganisierte er diese Anstalt auf solche Weise, daß sie augenblicklich in jeder Beziehung mit den theologischen Lehranstalten jeder anderen Religionsgenossenschaft in Holland wetteifern kann. Die Schule ist nämlich nicht nur ein Rabbiner-Seminar, sondern auch ein vollständiges jüdisches Gymnasium. Und auch später, als vr. Dünner im Jahre 1874 Oberrabbiner der Provinz Nord- Holland wurde, hat er durch sein energisches Auftreten viel erreicht. So wurde durch ihn der Jargon, in dem noch aus vielen jüdischen Schulen unterrichtet wurde, durch die holländische Landessprache ersetzt, eine Maßregel, die nicht nur der allgemeinen Bildung unter der ärmeren, jüdischen Bevölkerung den Weg etwas ebnete, sondern auch dem besseren Einvernehmen zwischen Juden und Christen förderlich war. Die Regierung hat die Verdienste dieses ebenso gelehrten wie kraftvoll wirkenden Mannes anerkannt und ihn deswegen, wie bei einer Audienz ausdrücklich von der damaligen Königin-Regentin betont wurde, zum Ritter des Niederländischen Löwenordens ernannt. Aus allem, was im Vorhergehenden berichtet worden, ist ersichtlich, daß Holland glücklicherweise keinen Antisemitismus kennt. Keineswegs soll aber damit gesagt sein, daß es keine Antisemiten hier gäbe. Leider ist dies doch der Fall. Aber im öffentlichen Leben nehmen die Juden dieselbe Stellung ein wie alle anderen holländischen Staatsbürger. Wenn in diesem Aufsatze die Stellung der Juden in Holland nur skizzenhaft gezeichnet ist, io glaube ich doch, daß es'genügen wird, um den Nicht - Holländern ein Bild der hiesigen Zustände zu geben. Damit wäre mein Zweck vollständig erreicht.

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