Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Die Juden in Holland
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 320 (sequence 4)
- Language
- German
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320 Im deutschen Reich. „Wegen eines durch die jüdischen Glaubensgenoffenschaften") an mich gerichteten Verlangens, habe ich die Ehre, Sie zu ersuchen mitzuwirken, daß den jüdischen Schülern auf den Volksschulen in Ihrem Ressort so viel als möglich Gelegenheit gegeben werde, den für sie bestimmten Religionsunterricht zu genießen, so daß der gewöhnliche Unterricht so wenig wie möglich darunter leide. Dieses könnte nach meiner Meinung dadurch geschehen, daß Sie bei dem städtischen Magistrat darauf dringen, daß auf den Schulen, die von einer überwiegenden Anzahl jüdischer Schüler besucht werden, aw Samstag die Schule überhaupt geschloffen werde, und an Schulen, deren Bevölkerung nicht zur größten Hälfte aus jüdischen Schülern besteht, der Stundenplan so eingerichtet werde, daß der Unterricht der Schüler durch'ihre Versäumniß am Samstag so wenig als möglich Schaden leide." Außerdem soll der freie Nachmittag in der Woche in einer Stadt für alle Schulen auf denselben Tag fallen, um auch hierdurch dem Religionsunterricht zu dienen. Daß dieses ministerielle Schreiben, hauptsächlich für Amsterdam, wo es im jüdischen Centrum Volksschulen giebt mit 90 pCt. jüdischer Schüler, von großer Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Die Dankbarkeit der Juden für diese günstige staatsrechtliche Stellung äußert sich hauptsächlich in ihrer starken Liebe zum Fürsteuhause. Bekannt ist es ja, wie schon seit der ersten Zeit der Niederlassung der Juden in Holland immer freundschaftliche Beziehungen zwischen den Fürsten von Oranien und vielen Juden bestanden haben. Aber nicht nur einzelnen Personen gegenüber wurde dieses Verhältniß angetroffen, die Liebe der ganzen jüdischen Volksklaffe wurde immer von den Prinzen und Königen von Oranien .und auch jetzt von der Königin im vollen Maße gewürdigt. Einige Beispiele aus der Jetztzeit mögen dieses illustrieren. Wenn die Königin die verschiedenen Städte ihres Landes besucht, werden . nie die öffentlichen Audienztage auf einen Samstag fallen, um auch den Rabbinern und Vorstehern der jüdischen Gemeinden Gelegenheit zu geben, ihre Aufwartung machen zu können. Bei dem alljährlichen Besuch des Hofes in Amsterdam wird nie eine Fahrt durch das Judenviertel fehlen; jüdische Wohlthätigkeitsanstalten werden mit persönlichem Besuch und finanziellen Unterstützungen von den höchsten Herrschaften ebenso bedacht, wie die anderer Religions- *) Der Plural bezieht sich aus die holländischen und portugiesischen jüdischen Gemeinden.