Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 315 (sequence 11)
- Language
- German
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Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 315 Grundsätzen keineswegs verboten sei, eine Ehe rnit Christen einzugehen. Das Gesetz vom 29. Juni 1851, das wenigstens in Beziehung auf Civilrecht die Gleichheit aussprach, wurde mit 122 gegen 1 Stimme angenommen. Noch aber war, abgesehen von der Unfähigkeit zur Bekleidung von Staatsämtern, jenes Pharaonische Matrikelgesetz übrig geblieben, welches die Anzahl der Jndenfamilien aus den status quo 1813 beschränkte. Das Verdienst, mit dem Durchbrechen auch dieser Schranke den Israeliten zur Raumerweiterung und Bewegungssreiheit verholfen zu haben, gebührt dem Abgeordneten Paur, der einen bez. Initiativantrag, den schon 1856 der Frhr. v. Lerchenfeld eingebracht hatte, im Jahre 1861 erneuerte. Bei den Verhandlungen, die am 20. März in der Kammer darüber gepflogen wurden, hat A. das Wort nicht ergriffen. Warum nicht? Fehlte es an Interesse? Glücklicher Weise sind wir in der Lage, aus der PrivatkorrespondenzA.'s entnehmen zu können, daß kein Anderer als er auch bei der Behandlung der Matrikelfrage hinter den Coulissen der bewegende Geist war. Am 11. Januar 1861 schreibt er: „die Freunde der Sache sind bedenklich, weil, wenn der Versuch mißlänge, die Sache auf Jahre hinaus verloren wäre. Man muß eben die Verhältnisse nehmen, wie sie sind. Das Wünschenswerthe und die Wirklichkeit sind im Leben verschieden. Wenn gewisse Skribler glauben, es bedürfe nur der Anregung, oder erfolglose Anregungen seien von irgend welchem Werthe, so nehmen diese eben einen mir nicht zusagenden unpraktischen Standpunkt ern".*) Am 6. Februar schreibt A.: „In der Judenfrage hat der Minister nach vielem Kraftaufwand zwar keine Ermächtigung zur Einbringung eines Gesetzes, wohl aber zur Abgabe einer zusagenden Erklärung im Falle der Anregung durch die Kammer erhalten, der Antrag, von mir verfaßt, von Paur übergeben, wird in diesen Tagen eingereicht. Wird noch viel Anstrengung kosten". Am 20. März wurde dann dieser von A. verfaßte Antrag zur Aufhebung des Matrikelzwanges in der Kammereinstimmig angenommen. Aber noch fehlte die Zustimmung des Reichsraths. Am T. März schreibt A.: „Ich schreibe unter dem Eindruck banger Sorge in der Judenfrage. Heute ist darüber Sitzung in der ersten Kammer. Seit vorgestern habe ich die vertrauliche Mittheilung, daß König Ludwig und Prinz Karl von Meran aus sich in die Sache gemischt; in welcher Richtung? habe ich nicht nöthig zu sagen. . .**) *) Die Münchener Knlinsgemeinde sandte damals im Interesse der Angelegenheit eine Deputation an den König, an deren Spitze den spätere Abgeordnete Dr. Henle sich befand. **) Der alte König Ludwig war ein Gegner des Gesetzes.