Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 312 (sequence 8)
- Language
- German
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812 Im deutschen Reich. gar kein Licht zu finden war.- Döllinger sprach es als seine Ueberzeugung aus, daß wenn Männer wie Arnheim, „den wir Alle gerne in unserer Mitte sehen", in den Staatsdienst eintreten würden, „die öffentliche Kraft des Landes und die Autorität des Staates nicht etwa geschwächt oder verkümmert werde, sondern durch diesen Gewinn an Kenntnissen und Talenten verstärkt werden wird". Dieses für die Person schmeichelhafte und für die Gesammtheit beleidigende Kompliment lehnte A. taktvoll ab mit den Worten: „Ich muß zuerst dem Herrn Borredner meinen verbindlichsten Dank für die hohe Auszeichnung aussprechen, die mir zu Theil wurde, glaube übrigens, auf eine solche Auszeichnung und Anerkennung keinen Anspruch zu haben, ich glaube ferner, auf keine höhere Achtung Anspruch zu haben, als jeder andere gebildete Jsraelite, gegen dessen Ehrenhaftigkeit sich nichts erinnern läßt". Nach Zurückweisung verschiedener das Judenthum aus dem Munde eines Döllinger besonders herabwürdigender Vorstellungen spricht A. Worte, aus denen sich sein religiöser Standpunkt entnehmen läßt: „Es ist ferner der messianischen Idee gedacht worden, die im Judenthum liegt. Das ist eine weitläufige theologische Frage, die ich nur kurz berühren will, indem die Ansicht der neueren Juden sich hierin sehr unterscheidet von denen der älteren. Man nimmt im Judenthum jetzt durchaus an, daß unter dem Messias kein persönlicher Messias zu verstehen sei, sondern man versteht darunter diejenige Zeit, in welcher alle Völker in einem Hause versammelt sein werden, um den einigen Gott zu verehren. Das ist die Idee des Messias. Ich gebe zu, daß dieselbe in anderen, namentlich älteren Schriften anders dargestellt worden ist, sie ist aber gleichwohl in das heutige Judenthum nicht übergegangen, und es fällt heut zu Tage keinem Juden, der einer richtigen Auffassung fähig ist, wehr ein, die Ankunft eines persönlichen Messias zu erwarten. Uebrigens glaube ich keine Gefahr aus dieser messianischen Idee für unsern Standpunkt ableiten zu können. Wenn man von der Verbindlichkeit, welche eine Religionspartei gegenüber ihrem geistlichen Oberen sich denkt, eine Schlußfolge auf den Patriotismus ableiten wollte, so läge es viel näher, das Verhältuiß der Katholiken zum Papste ins Auge zu fassen. - Der Messias der Juden ist blos ein Gegenstand des Höffens, der Papst ist eine auswärtige Wirklichkeit. Aus solchen Verbindlichkeiten, ich möchte sagen, des Gemüths, erwächst keine Kollision mit den Staatsgesetzen. Wenn also auch einer den persönlichen Messias erwartet, und da dürfte er.wohl lange warten,