Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 296 (sequence 7)
- Language
- German
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herrischen Reich. zyt> geglaubt und sich deshalb zu dem betreffenden Termine in Dresden nicht eingestellt zu haben. Die sächsischen Richter hätten darauf den Muth gehabt, seine Verhaftung zu beschließen. Der Redner erwähnte hierauf die seltsamen gereimten Angriffe auf die Rabbiner und ungereimten theologischen Studicnergebnisse eines jüdischen Goldwaarcnhändlers in Pforzheim, welcher drei Mal im Jrrenhause verwahrt gewesen sei, ehe er sich zum Genossen des Grafen Pückler und zum Helfershelfer der „Staatsbürger Zeitung" gemacht habe, weshalb man diesen Glaubensgenoffen nicht zu streng beurtheüen dürfe. Daß nach den verschiedenen vergeblichen Versuchen der internationalen Antisemiten, auch in der diesjährigen Ofterzeit (in Schlesien, in Holstein, in Kleinasien und in Bulgarien) das mittelalterliche Blutmärchen wieder aufzufrischen, die Berliner Antisemiten die Verurtheilung Hilsners in Polna durchaus noch für ihre Zwecke zu verwerthen gesucht hätten, sei nicht zu verwundern. In der Begründung des Wiener Urtheils sei auf Grund des Gutachtens der Prager Universität unwiderleglich festgestcllt, daß es sich in diesem Falle nur um einen gemeinen Lustmord handeln könne. Trotzdem finde an demselben Abend, an welchem die Central- Vereinsversammlung abgehalten werde, in der Berliner Tonhalle eine antisemitische Versammlung statt, in welcher der Abgeordnete Böckler unter Assistenz eines Wiener Gemeinderaths die Fabel von einem Ritualmord in Polna aufs Neue vorbringe. Ein solch kläglicher Versuch richte sich selbst! Einer der würdigsten Antisemiten, Earl Sedlatzek, welcher dafür, daß er die Bromberger Polizei beschuldigt hatte, erneu Ritualmordverstrch vertuscht zu haben, mit einem Monat Gefängniß verurtheilt worden sei, muffe diese Strafe verbüßen, da neuerdings seine Revision verworfen worden sei. Ein ähnliches Schicksal erlitt der Redakteur des „Postep", Kaczmarek, der einen die „Talmud-Moral" verleumdenden Artikel Liebermanns v. Sonnenberg ins Polnische übersetzt und abgedruckt hatte. Der Redakteur der Magdeburger „Sachsenschau", Faßhauer, wurde wegen Verbreitung einer mit dem Polnaprozeffe zusammenhängenden Verdächtigung des jüdischen Schlächters Kurzweil empfindlich bestraft und versprach deshalb in seinem Blatte, die Juden nicht mehr zu nennen. Sein Vorganger in der Redaktion der „Sachsenschau",. Bruno Kreutz, der sich als Vertreter des Bundes der Landwirthe in Bitterfeld einer Unterschlagung von 8000 bis 10 000 Mark schuldig gemacht hat, ist verhaftet worden. Der Vorsitzende des Deutsch-sozialen Vereins in Kottbus, der Obersekretär bei der dortigen Staatsanwaltschaft, Krüdecke, hat sich in Halle das Leben genommen, um einer ähnlichen gegen ihn emgeleiteten Untersuchung zu entgehen. Derselbe hat erst kürzlich noch