Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 295 (sequence 6)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 2^5 Deutschlands" durch die Nothwendigkeit bestehen, den antisemitischen Jorwurs zu entkräften, daß die Juden im allgemeinen der mühsamen Erdarbeit abhold seien.. Auf Veranlassung des Vorsitzenden drückte die Versammlung hierauf dem Vortragenden ihren Dank für seine klaren und durchsichtigen Ausführungen durch Erheben von den Plätzen aus. Sodann theilte der. Vorsitzende das Wichtigste aus dem Vereinsleben der letzten Wochen mit, berichtete insbesondere über die am27.April in Hamburg veranstalteteCentral-Vereinsverfammlung, durch welche der Eentral-Verein hauptsächlich durch die Thätigkeit des Vorstandsmitgliedes, Herrn Dt. Wiesenthal, und des Hamburger Komitees 180 neue Mitglieder gewonnen und sich in Hamburg eine Ortsgruppe des Eentral-Vereins gebildet habe, welche eine weitere rege Förderung der Vereinssache 'erhoffen lasse. Eine ähnliche Gruppe sei schon früher in Posen entstanden und mit Erfolg wirksam. Wie dort durch die eifrige Werbethätigkeit des Herrn Meier Ezapski fast alle Steuerzahler der jüdischen Gemeinde sich dem 'Eentral-Verein abgeschlossen hätten, sei auch in Bamberg in Bauern durch die hingebende Thätigkeit eines einzelnen Vereinsmitgliedes, des Herrn Jac. Treumann, dasselbe günstige Verhältniß erzielt worden. Es sei nur zu wünschen, daß auch.in anderen Gemeinden die Vertrauensmänner mit gleichem Eifer sich der guten Sache widmen. Bedauerlicherweise sei aber gerade Berlin in Bezug auf die Werbethätigkeit noch wesentlich im .Rückstände, da die Zahl der :>00o Vereiusmitglieder in keinem Verhältniß zu der Größe und Bedeutung der Berliner jüdischen Gemeinde stehe, Ln deren Mitte der Eentral-Verein rutstanden sei und seinen Sitz habe. Der Vorsitzende erwähnte hierauf die Vorgänge im Prozeß des Moritz Lewy in Könitz, den kaiserlichen Gnadenakt in der Sache Jacoby - Tuchel, die Freilassung der Familie Rosenthal-Kamin, die Einstellung des Verfahrens in den Sachen Matthäus Mever, Eisenstädt und Rosset und das krampfhafte Bestreben der „Vereinigung zur Aufklärung des Konitzer Mordes", statt eine solche höchst wünschenswerthe Aufklärung herbeizuführen, die widersinnige Annahme eines jüdischen Ritnalmordes zu verbreiten. Das Mißtrauensvotum, welches diese Vereinigung den preußischen Staatsbehörden durch eine Petition an den Reichstag neuerdings ertheiltc, werde hoffentlich die preußischen Behörden darüber aufklären, welchen Dank sie für jede Konzession an den Antisemitismus zu erwarten haben. Graf Pückler, der in Berlin den Anklagen wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten glücklich entschlüpft sei und deshalb die preußischen Richter als „famose Kerls" gepriesen habe, scheine in dem stark antisemitischen Königreiche Sachsen nicht an den Ernst einer ähnlichen Anklage