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Im deutschen Reich · 1901-05-01 · Heft 5 (Mai 1901) · p. 293

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 5 (Mai 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-05-01
Page
293 (sequence 4)
Language
German
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Vereinsnachrichten- 293 geringen Theil in hervorragenden Stellungen befindlichen Hamburger Glaubensgenossen ermuntern wird, mehr als bisher an dem uns aufgedrungenen Kampfe Lheilzunehmen. Selbst wenn sie die Wunden am eigenen Fleische nicht, oder nicht so intensiv fühlen, wie die Juden an vielen anderen Orten des Reiches, so lasten es doch auch in Hamburg die Antisemiten nicht an dem guten Willen fehlen, Klassen- und Rassenhaß zu schüren. Agitatoren ziehen in und um Hamburg herum und hetzen unermüdlich in Versammlungen. Ein antisemitisches, von den Herren Reichstagsabgeordneten Schack und Raab inspiriertes Blatt wirkt nach dem Muster der Staatsbürger-Zeitung. Drei Sitze haben die Antisemiten in der Bürgerschaft. Der deutschnationale Handlungsgehilsen-Verband, dessen antisemitische Tendenzen sattsam bekannt sind, wird durch Herrn Schack von Hamburg aus geleitet. Ueber die Behandlung der jüdischen Kinder seitens der Lehrer in den Schulen, besonders in den Töchterschulen, wird Klage geführt. Im gesellschaftlichen' Verkehr macht sich vielfach eine Scheidung nach Confessionen geltend. Auch einen Ritualmord a la Könitz bemüht sich die antisemitische Presse nach bewährtem Muster aus der Auffindung einer zerstückelten Leiche in Holstein zu construieren — bisher allerdings noch nicht mit erwünschtem Erfolg. Pflicht der Juden in den großen Centren ist es, sich im Kampfe in erster Linie zu bethäLigen. Möge der Antisemitismus, der stets das Böse will, wenigstens das eine Gute schaffen, daß sich unsere Glaubensgenossen aller Orten zu thatkräftiger Gegenwehr Zusammenschlüßen! — Im Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstraße 9, wurde am 1. Mai d. Js. eine ordentliche Versammlung des Central-Vereins unter dem Vorsitze des Hern: Rechtsanwalt Dr. Horwitz abgehalten. Nachdem derselbe die Versammlung eröffnet hatte, hielt Herr Schriftsteller vr. Franz Oppenheimer einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über „Genossenschaftliche Kolonisation im Dienste der osteuropäischen Juden." Redner schilderte in lebhaften Farben das Elend unserer Glaubensgenossen im Osten Europas und die Schwierigkeit, den massenhaft von dort Auswandernden anderwärts eine neue menschenwürdige Existenz zu schaffe». Dazu sei die Land- Kolonisation das einzige geeignete Mittel. Der Plan, die russischen, rumänischen und galizischen Juden, welche ihre Heimath verlassen, irgendwo auf dem Lande seßhaft zu machen, bilde den berechtigten Kern der zionistischen Bestrebungen. Eine richtige Ausführung des

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