Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 292 (sequence 3)
- Language
- German
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292 Im deutschen Reich. Herr May zum Wort und bat, keine Ortsgruppe zu gründen, sondern die Organisation der Abwehr in eine andere Form zu kleiden, da die Verhältnisse hier in Hamburg erheblich günstiger liegen, wie anderswo, das beweise der gesunde Sinn unserer Bürgerschaft, an deren Spitze ein Jude stehe. Der Geist unserer christlichen Mitbürger sei größtenteils nicht vom Antisemitismus angekränkelt und daher eine Abwehrorganisation nicht nothwendig. Er bitte daher von einer Ortsgruppe Abstand zu nehmen, die ja doch nur den Hauptverein unterstützen müsse und für sich selbst wenig wirke. Der beabsichtigte gleiche Zweck, den er billige — denn er sei noch heute ein zahlendes Mitglied des Staatsbürgervereins — könne vielleicht auf einem anderen Wege ebenso gut erreicht werden. Der Vorsitzende Herr Dr. Piza giebt ohne Weiteres zu, daß der Kern des Althamburger Bürgersinns ein durchaus gesunder ist, daß insbesondere von den besseren Schichten der Bevölkerung, aber auch vom Arbeiterstande, soweit er nicht vereinzelt den antisemitischen Bethörungen unterlegen sei, unseren Glaubensgenossen kein Anlaß zu Klagen gegeben sei, andererseits sei jedoch auf jene meist zugezogenen Kreise hinzuweisen, aus denen sich zu einem großen Theile, wie wir es noch bei den letzten Bürgcrschaftswahlen erlebt haben, die antisemitische Bewegung auch hier rekrutiere. Er bitte die Konstituirung der Ortsgruppe nicht hinaus zu schieben und sie durch Annahme der Wahlvorschlagsliste noch heute zu bewirken. In warmen Worten empfahl Herr Dr. Wiescnthal den gleichen Weg, indem er noch ganz besonders hervorhob, daß die Ortsgruppe nicht gegen, sondern gemeinsam mit allen vorurteilslos denkenden Elementen der Hamburger Gesammtbürgerschaft gegen die antisemitischen Auswüchse zu wirken bestimmt sei. Außerdem aber solle man gerade dann, wenn es einem selbst gut gehe, der bedrängten Glaubensgenoffen gedenken und auch zu seinem Theil dazu beitragen, deren Lage zu verbessern und ihnen bei Schäden, welche der Anti, semitismus hervorgerufen habe, Unterstützung zu Theil werden lassen. Die vom Komitee vorgeschlagenen Herren: Dr. Max Cohen, M. Deutschländer, Dr. Goldfeld, Julius Hirschmann, Dr. R. Hinrichsen, Dr. Piza, Jakob Wolfs, Rechtsanwalt Waldstein und Ernst Liebermann werden sodann per Akklamation in den Vorstand der neuen Ortsgruppe des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gewählt. Hierauf schließt der Vorsitzende die Versammlung." — 180 neue Mitglieder traten in Folge dieser Versammlung in Hamburg unserem Central - Verein bei, Es ist zu hoffen, daß das lebhafte Interesse, das sich in der Versammlung kundgab, noch weitere Früchte tragen und die nicht zum