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Im deutschen Reich · 1901-05-01 · Heft 5 (Mai 1901) · p. 275

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 5 (Mai 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-05-01
Page
275 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Umschau. 275 gespielt hat. Die Dürtisch hat nunmehr dem Gerichte angezeigt, sie könne den Beweis erbringen, daß Onody im Jahre 1883 das Mädchen Esther Solymosjv, deffen Verschwinden den bekannten Prozeß veranlaßte, bei Seite geschafft und ermordet habe. Einer Aufforderung, zur Polizei zu kommen, hat Onody keine Folge geleistet. Er ist seit einigen Tagen aus Budapest verschwunden. Am 5. Mai hat in Wien ein von dem Führer der „Alldeutschen", dem Abg. Wolf geleiteter „4. Deutscher Volkstag" stattgesunden, an dem 5000 „Romfeinde" aus allen Theilen Oesterreichs und Ungarns Lheilgenommen haben sollen. Auf diesem Volkstage wurde zwar auch eine Resolution angenommen, die in den Worten gipfelte: „Kein Judenblatt im Hause; kein Einkauf in jüdischen Geschäften; keine ärztliche Behandlung, keine Rechtsvertretung durch Juden, keine Satisfaktion den jüdischen Hochschütern!", aber der eigentliche Zweck des Volkstages war offenbar doch die „Los von Rom"- Bewegung und der Aufruf zum Kampf gegen die Klerikalen. Der Klerus der österreichischen Monarchie wird daraus hoffentlich eine Lehre ziehen, welche die katholische Geistlichkeit in Transleithamen weislich längst gezogen hat! In Frankreich ist die Erkenntniß, daß der Antisemitismus nich nur dem Staatsintereffc widerspricht, sondern auch als Kampfmittel fürdie„streitendeKirchc" von sehr zweifelhaftem Werth ist, noch nicht durchgedrungen. Ueber die dortigen Verhältnisse äußert sich ein deutsches militärisches Fachblatt (Reue Militärische Blätter Heft 9, Mai 1901) wie folgt: „Das in der ganzen klerikalnationalistischen Presse gestellte Verlangen „Frankreich ist der Katholizismus und der Katholizismus ist Frankreich" hat sich auch auf das Heer übertragen. Der Dreyfus- Handel ist der trübe Beleg dieser Politik in ihren Folgen, der ,,Fall Eoblentz" gewissermaßen ein deutliches Symptom, wenn ein großer Theil der Offiziere einem vielleicht nicht ganz liebenswürdigen, jedenfalls aber vorwurfsfreien Hauptmann die ersten Grundbedingungen der Achtung versagt, weil er Jude ist. Eigenthümlich nimmt sich im Gegensatz hierzu aus, daß ganz dieselbe Presse und ihre Anhängerschaft dem Judenthum, welches sich sonst in weit schlimmerer Form in Frankreich breit macht, mit Ehrfurcht entgegenkommt, sobald es sich um die Vermischung des alten französischen Adels, der als der wahre Träger des Katholizismus in Frankreich bezeichnet wird, mit den Töchtern der jüdischen haute finance handelt. Es konnte und kann nicht unbemerkt bleiben, daß in den letzten drei bis vier Jahren die Träger der glänzendsten französischen Adelsnamen innerhalb und außerhalb des Heeres, im Faubourg St. Germain zu Paris wie iy

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