Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 274 (sequence 10)
- Language
- German
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274 Im deutschen Reich. Bildung die letzteren a priori für weniger gerecht und gewissenhaft in ihren amtlichen Entscheidungen gehalten werden sollten als die ersteren." Eie weit das, was Fürst Bismarck vor Jahren von der Gefahr des Einflusses starker Parteiströmungen auf die Rechtsprechung bei kleinen Gerichten schreibt, zutrifft, mag unerörtert bleiben; es genügt, wenn die Verwaltung beweist, daß sie die Meinung Bismarcks rechtfertigt, wenn sie sich nicht dazu hergiebt, das, was die Verfassung klar und deutlich ausspricht, gewiffen Strömungen zu liebe im Verwaltungswege umgehen zu lassen. Wohin ein Staat geräth, der sich von solchen Strömungen treiben läßt, zeigt sich in Oesterreich, wo sich die Anforderungen der verhätschelten Judenfeinde täglich steigern und jedes neue Zugeständniß nur dazu dient, die allgemeine Unzufriedenheit und die Zahl der Regierungsfeinde zu vermehren. Der Abg. Schönerer beantragte neuerdings eine Gesehesvorlage mit strengen Bestimmungen gegen die Einwanderung und Niederlassung ausländischer Juden in Oesterreich. In der Begründung des Antrags wird behauptet, daß in der jetzt für die Juden doch wahrlich nicht günstigen österreichischen Verwaltungsepoche die stetige Vermehrung des jüdischen Elements die Monopolisierung der wichtigen Geschäftszweige durch Juden zunehme, und daß die. in Judenhänden befindliche Presse die Korruption fördere. In Lerganis „Ostdeutscher Rundschau" wird jetzt selbst der antisemitische Bürgermeister Wiens vr. Lueger, weil er nicht mit Schönerer durch Dick und Dünn gehen will, als verjudet bezeichnet und dabei verkündet: „Der Kampf gegen die „Deutsch-Radikalen" hat den Antisemitismus der Christlich-Sozialen vollständig erschlagen." Leider ist dies, eine Uebertreibung, aber .es ist immerhin möglich, daß ein Fünkchen Wahrheit darin liegt und selbst ein Lueger einmal auch einsieht, daß die antisemitischen Parteiftrömungen den Staat bis zum Abgrund treiben. In Ungarn hat man das längst eingesehen, und die ungarischen Verwaltungsorgane lassen sich durch keine Hetzmanöver mehr irre machen. Sollte sich die Nachricht bewahrheiten, daß durch die Anzeige einer früheren Geliebten des ehemaligen antisemitischen Abgeordneten Geza Onody das Räthsel von Tisza-Esztar eine überraschende Lösung in diesen Tagen gefunden habe, dann hätte der Antisemitismus in Ungarn völlig ausgespielt. Aus Budapest wird berichtet: „Die Gouvernante Antorria Dnrtisch wurde vor einiger Zeit wegen eines Verbrechens zu einer Freiheitsstrafe verurtheilt. Ein Hauptbelastungszeuge gegen sie war ihr früherer Geliebter, der ehemalige antisemitische Abgeordnete Geza Onody, der seinerzeit in dem Tisza-Eszlarer Prozeß im Jahre Ihm:; gegen den Schlachtet Scharf eine bedeutende Rolle