Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 271 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 271 Leuten genau dasselbe begegnet, findet er nicht genug Ausdrücke der Entrüstung." Daß die antisemitisch-konservative „Kreuz-Zeitung" sich für die Myrmidonen der deutsch-sozialen Hamburger Abgeordneten Schack und Raab ins Zeug legt, wird diejenigen nicht in Erstaunen setzen, welche die Wandlung kennen, die sich bei diesen ehemals anscheinend den Sozialdemokraten zuneigenden Politikern vollzogen hat, nachdem sie von dem Abgeordneten Licbermann von Sonnenbcrg für die mit dem Bunde der Landwirthe paktierende deutsch-soziale Secession gewonnen wurden. Wie seitdem dabei die Standesinteressen der Handlungsgehilfen gewahrt werden,' ist freilich schwer verständlich und erinnert wiederum lebhaft an die Mommsensche Deduktion von denen — die nie alle werden! Die kaufmännischen Arbeitgeber verfolgen diesen Werdegang selbstverständlich mit lebhaftem Interesse; es ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken, wenn sie nichts von Gehilfen wissen wollen, denen nicht nur systematisch das Gift der Unzufriedenheit, des Rassen- und Religionshasses eingeimpft wird, sondern die auch den Karren derer ziehen, welche die Agrarier mästen möchten und den Handel nur als „ein nethwendigcs Ucbel" betrachten. Dem Beispiel des kaufmännischen Vereins in Gießen, welcher den Beschluß faßte, dem deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband die Räume seines Vereinshaujes nicht mehr zur Verfügung zu stellen und die Hamburger antisemitische „Deutsche Handelswacht" im Lesesaale des Dereinshauscs nicht mehr auflegen zu lassen, dürften bald andere kaufmännische Vereinigungen felgen. Es verdient bemerkt zu werden, daß das antisemitische Hamburger Organ des Führers der deutsch-nationalen Handlungsgehilfen, das „Deutsche Blatt" selbst mitgetheilt hat, cs habe sich bei dieser Gelegenheit „auffallender Weise auch ein Stadtverordneter, der sich seither immer als sehr streng christlich gerierte, für Juda gewaltig ins Zeug gelegt". Hoffentlich werden das „Deutsche Blatt" und andere ähnliche Organe bald erfahren, daß „strenge Ehristen" mit dem der Humanitär hohnsprechenden Antisemitismus nichts gemein haben wollen und können. Das katholische „Westpreußische Volksblatt", welches bisher sich wenig judenfreundlich geäußert hat, schrieb am 6. Mai: „Wir können nicht das Treiben der Antisemiten billigen, die in dem Juden eben nur den Ausbund der Schlechtigkeit se.)en, gegen den die christliche Nächstenliebe keine Anwendung zu finden habe; haben wir doch selbst Gelegenheit gehabt, auch unter den Juden eine Reihe hochachtbarer Männer kennen zu lernen, die, was die Lauterkeit ihres Lebenswandels betrifft, es mit jedem Christen getrost aufnehmen könnten. Anlaß zu diesen Ausführungen giebt uns eine Briefkastennotiz des anti-