Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Eine Umfrage über den Ritualmord
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 254 (sequence 3)
- Language
- German
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254 Im deutschen Reich. Ungeheuerlichkeit, ja Unmöglichkeit der Sache noch so sonnenklar be. wiesen wird, die Antwort zu bekommen: Es muß doch etwas daran sein, denn sonst hätte diese Beschuldigung überhaupt nicht aufkommen und nicht auch bei „Gebildeten" so feste Wurzeln fassen können. Und das ist eben das Dämonische, daß man es hier nicht blos mit einem ,,-Pöbelwahn" zu Lhun hat, sondern daß er auch in weiten Kreisen der „Gebildeten" verbreitet ist und von solchen noch geflissentlich verbreitet wird. Doch brauchen wir nicht völlig zu verzweifeln! Es sind noch keine dritthalb Jahrhunderte verflosien, seit die Menschheit, und auch hier die „Gebildeten", Theologen und Juristen an der Spitze, in den Banden des Hexenwahnes lag, und doch ist er überwunden worden. Wird auch die Stunde kommen, wo der von Thorheit und Entsetzlichkeit mit ihm wetteifernde Blutwahn zu den überwundenen Dingen gehöl-t? Gott gebe es! Auf jeden Fall kämpft, wer gegen diesen Wahn zu Felde zieht, für die heiligsten Güter der Menschheit, denn sein Bestehen gehört zu den traurigsten und beschämendsten Dingen und ist geradezu ein Schandfleck für die Menschheit. Wenn Ihnen, sehr geehrter Herr, in diesem „Kulturkampf" im besten und edelsten Sinne des Wortes, bei welchem Sie der Sympathien aller wahrhaft Gebildeten sicher sein dürfen, Erfolge beschieden sein sollten, so würde dies von ganzem Herzen freuen ten hochachtungsvoll Unterzeichneten Cornill." Dr. K. Furrer, Professor der allgemeinen Religionsgeschichte an der Hochschule Zürich. Zürich, den 19. April 1901. Hochverehrter Herr! Es muß jeden Menschenfreund schmerzlich berühren, daß eine so arge Verleumdung wie die, daß die Juden für rituelle Zwecke Christenblut verwenden, immer noch geglaubt wird, obgleich doch längst auf das genaueste nachgewieseu worden ist, daß ein solcher Ritus nicht nur in den heiligen Schriften des Volkes Israel, sondern auch in seinem Naturgefühl nicht den mindesten Anhalt hat. Eine andere Frage aber ist die: Wie ist es überhaupt möglich, daß eine solche Verleumdung auftauchen und Glauben finden konntet Es liegt im Interesse der Humanität, dieser Frage nachzugehen. Sie ruft nach der andern Frage: Hat geschichtlich nachweisbar Menschenblut irgendwo einmal rituelle Verwendung gefunden? Diese Frage müssen wir mit Ja beantworten. Noch bis ins fünfte Jahrhundert nach Christus haben die den Israeliten stammverwandten Sarazenen im peträischen Arabien am ersten Morgen eines neuen Monats einen