Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Eine Umfrage über den Ritualmord
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 253 (sequence 2)
- Language
- German
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Eine Umfrage über den Ritualmord. 253 Scheu, und gerade die religiöse Scheu vor allem Blut, Thierblut wie Menschenblut, so charakteristisch und so offenkundig, daß sie keines Beweises bedarf, und mag man das Talmud-Judenthum auch noch so niedrig werthen, mag man in ihm noch so sehr eine Entstellung und 'Verzerrung des biblischen Judenthums sehen — daß es sich in einem so fundamentalen Punkt von dem biblischen Judenthum losgesagt und dasselbe frech verleugnet haben sollte, ist einfach undenkbar, und deshalb kann es nach meiner Ansicht keine Juden geben, welche zu rituellen Zwecken Menschenblut verwenden. Sie fragen weiter, wie ich mir beim die Entstehung dieser wahnsinnigen Beschuldigung erkläre. Ich habe über diesen Punkt auch viel nachgedacht und bin dabei'zu folgendem Ergebniß gekommen: Soviel ich weiß, heftet sich die Blutlüge ausschließlich an das jüdische Ostem; jpeciell zum Peßach sollen die Juden Ehristenblut brauchen und verwenden. Ob das nicht mit dem Charakter des Peßach irgendwie zusammenhängt? Peßach ist das Fest der Erinnerung an die Tödtung der Erstgeburt der Feinde und Bedrücker Israels, und im Exodus, Capitel 12, Vers 7, wird gerade für dieses Fest ein eigenthümlicher „Blutritus" vorgeschrieben. Wenn wir dann noch bedenken, daß auf Peßach auch die Hinrichtung Jesu durch die Juden fällt, so möchte hier wohl die Entstehung der Blutbeschuldigung oder doch der Anknüpfungspunkt für dieselbe zu juchen sein. Ich wenigstens vermöchte mir sonst absolut nicht zu erklären, wie sie überhaupt entstehen konnte und wie sie gerade mit solcher Bestimmtheit und Ausschließlichkeit auf das jüdische Peßach localisiert wurde. Daß die in den ersten Zeiten des Ehristenthums von heidnischer Seite gegen die Nazarener erhobene Blutbeschuldigung ihren Ausgangspunkt von der christlichen Abendmahlfeier genommen hat, ist ganz evident. Sie fragen endlich, was ich für das geeignetste Mittel zur Bekämpfung der Blutbeschuldigung halte. Es wäre auf jeden Fall schon viel gewonnen und ein erfreulicher. Fortschritt, wenn der Staat jede Aeußerung dieser Beschuldigung, ganz einerlei, wie und von wem sie gethan worden ist, unnachsichtlich als Beschimpfung einer staatlich anerkannten Religion verfolgte und bestrafte. Und das ist auch nach meiner festen Ueberzeugung seine heilige Pflicht, der er sich nicht entziehen kann und darf. Aber-mit Polizeimitteln allein rottet man ein so festgewurzeltes Uebel nicht aus, hier kann auf die Dauer nur Aufklärung und Belehrung helfen. Leider dürfen wir jedoch über die Wirksamkeit dieses Mittels nicht zu opttmistisch denken, denn es gibt Mächte, gegen welche bekanntlich selbst die Götter vergebens kämpfen. So müssen wir denn immer . darauf gefaßt sein, auch wenn die