Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 221 (sequence 10)
- Language
- German
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221 füllung ihrer Forderung der Parität bei staatlichen Anstellungen für den preußischen Staat verhängnisvoll werden kann, wenn bei der prozentualen Vcrtheilunz der Aemter Minderbesähigte ihrer Konfession wegen beberücksichtigt werden müßten. Dagegen würden sicher die sich aus dem von Windhorst befürworteten Gleichberechtigungsgcsehe vom 3. Zuli 1869 ergebende Verwendung der fähigsten Kräfte für den Staatsdienst diesem nützen, ohne die Religion irgendwie zu schädigen. Ebenso müßte diesen Politikern klar werden, daß die logische Konsequenz des „konservativen christlichen Staats" in Preußen der „protestantische Staat" sein und sicher auch stets das Ideal derjenigen preußischen Altkonservativen bleiben wird, welche ihre durch die Annexionen erzeugten Legitimitäts-Bedenken nur durch den ihnen vorschwebenden Gedanken eines „protestantischen Kaiserthums" beschwichtigten. Die deutschen Juden können es ruhig abwarten, bis der Gedanke der „freien Kirche im freien Staat" auch den Centrums-Männern einleuchtet, die sich jetzt mehrfach genau so in Widerspruch mit den Ueberlieferungen Windhorsts und Reichenspergers gesetzt haben, wie die Nationalliberalen mit denen Gneist's, Bennigsens, Bambergers und Lasters. Dem katholischen Landtagsabgeordneten Landgerichtsdirektor Schmitz-Düsseldorf hat Rabbiner Dr. David wegen der Begründung seines Standpunkts bezüglich der Zurücksetzung der jüdischen Juristen in einem offenen Brief seine Gedanken über „jüdische und christliche Weltanschauung" entwickelt und dabei derHoffnung Ausdruck gegeben, daß der Düsseldorfer Abgeordnete seinen Jrrthum ernsehen werde. Der Brief schließt mit den Worten: „Was übrigens den Begriff des „christlichen Staates" betrifft, den Sie in Ihrer Rede mit solch' gewichtigem Nachdruck betonen, so haben wir Israeliten durchaus kernen Grund, denselben nicht gelten zu lassen. Im Gegentbeil, wir können nichts Besseres wünschen, als daß die Idee des „christlichen Staates" in dem einzig wahren und einzig berechtigten ethischen Sinne vollkommen verwirklicht werde, d. h. .die wahren Grundsätze der christlichen Ethik, die ja mit denen der jüdischen identisch sind, überall im Staate zur vollen Herrschaft gelangen. So lange freilich noch eine ganze Klaffe von Staatsbürgern nur um ihres Glaubens willen von gebildeten und ungebildeten Christen beschimpft, zuruckgesetzt und in ihren heiligsten Rechten verkürzt wird, so lange das Unerhörte geschehen kann, wie es jetzt in Könitz vorgekommen ist, daß z. B. ein jüdisches Gotteshaus nach Spuren eines angeblichen „Ritualmordes" durchsucht wurde, ohne daß ein Schrei sittlicher Entrüstung durch die ganze christliche Welt