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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 220

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-04-01
Page
220 (sequence 9)
Language
German
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220 Im deutschen Reich. Es ist auch als dankenswert!) anzuerkennen, daß die „Köln.-Ztg.^ nachdem sie einige von jüdischer Seite ausgegangenen Aeußerungen gegen den „JudenLag" veröffentlicht hatte, auch ein Schreiben vollinhaltlich ab^ druckt, das nicht die Vertheidigung des „Judentags" bezweckt, sondern nur die in einem der ersterwähnten Artikel enhalteneu Aeußerungen widerlegen will, die bei patriotischen Juden Unmuth erwecken müssen. In diesem trefflichen Schreiben wird gesagt: „Wir lassen uns durch die Hetzereien der Antisemiten in unserem $Patnott3mii3nicht beirren. Nein, die Juden fühlen sich nicht als Fremdkörper im deutschen Vaterlande — gerade dieser Vorwurf ist es, den sie am bittersten empfinden — sondern als Fleisch von seinem Fleische, als Blut von seinem Blute: sie haben das bei den verschiedensten Gelegenheiten, im Kriege wie im Frieden, durch Thaten bewiesen, und eben deshalb glauben sie auch den Anspruch erheben zu dürfen, daß die ihnen durch die Verfassung gewährleisteten Rechte nickt blos „papierene" bleiben. Ob der geplante Judentag sie diesem Ziele näher bringen kann, muß unter den obwaltenden Umständen und Zeitverhältnissen allerdings bezweifelt werden; das Recht, für die Erlangung der vollen Gleich- . berechtigung kämpfen, wird man den Juden aber nicht versagenkönnen. Auch die Aeußerung, daß die Juden Lasker und Bambcrger verhimmelt haben, ist unrichtig. Wir haben die Fehler namentlich des ersteren nicht verkannt, und doch waren wir stolz auf diese Glaubensgenossen, weil sie in freiheitlich bewegter Zeit mit an der Spitze einer Partei standen, die der damaligen Periode die Signatur gab. Daß aber die Juden heute zum großen Theile der Opposition angehören, ist einfach der Trieb der Selbsterhaltung. Sollten sie ihr Ehrgefühl soweit verleugnen, daß 'sie den konservativen Parteien, die sie offen bekämpfen, beitreten? Es ist wohl das erste Mal, daß ein Jude behauptet, durch die beiden Abgeordneten Lasker und Bamberger sei der Antisemitismus in den herrschenden Kreisen hervorgerufen worden. Man braucht weder Jude noch freisinnig zu sein, um anerkennen zu können, daß die genannten beiden Abgeordneten Männer von hervorragender geistiger Bedeutung gewesen sind, die jedem Parlament zur Zierde gereichen, und selten hat es wohl vornehmere Parlamentarier gegeben, als Bamberger einer war. Die Geschichte des Deutschen Reichstages wird diese Männer noch lange mit Stolz nennen." In den Centrumskreisen scheint ein ähnlicher Meinungsumschwung sich vorzubereiten wie beiden Nationalliberalen, weil sich jene der Thatsache nicht verschließen können, daß die vollständige Er-

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