Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 219 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 219 Partei in Widerspruch gesetzt und dadurch sich die Sympathien vieler bedeutender Männer entfremdet habe. Deshalb erklärte schon am 3. März der Centralvorstand der Partei in Berlin einmütig, daß seines Glaubens wegen niemand von einem staatlichen Amte ausgeschlossen werden dürfe, und daß düe Verwaltungspraxis nicht im Sinne der Trennung, sondern des allmählichen Ausgleichs unter den einzelnen Volksgruppen arbeiten müsse." Ebenso deutlich kennzeichnete die „Köln.- Ztg." in einem „Jungdeutschland und nationalliberale Jugend" überschriebenen Artikel die künftige Stellung derPartei in einer Weise, die trotz der dabei vorgebrachten Entschuldigungen für die Landtagsfraktion keinen Zweifel daran zuläßt, daß das große rheinische Blatt jede Konzession an den Antisemitismus entschieden mißbilligt. Es sagt wörtlich: „Allerdings für eine der schlimmsten unserer Volkskrankheiten, den Antisemitismus, ist in dem durch und durch gesunden Körper der nationalliberalen Jugendvereine kein Nährboden vorhanden, und mit der in ihnen herrschenden Wahrheitsliebe ist auch die An- Wendung perfider taktischer Mittel, um die Juden aus ihren Reihen fernzuhalten, nicht vereinbar. Der Reichsverband befindet sich in dieser Beziehung, mag das nun Jungdeutfchland auch recht unangenehm sein, in voller Uebereinstimmung mit der nationalliberalen Partei, die noch jüngst durch ihren Vorstand als ihren Grundsatz hat erklären lassen, daß niemand seines Glaubens wegen von einem staatlichen Amte ausgeschlossen werden dürfe und daß die Verwaltungspraris nicht im Sinne der Trennung, sondern des allmählichen Ausgleichs der einzelnen Volksgruppen arbeiten müsse. Gegen diesen für eine liberale Partei, die im nationalen Sinne alle Confessionen in ihren Reihen vereinigen will, selbstverständlichen Grundsatz verstößt auch nicht, wie mehrfach mißverständlich von den Israeliten angenommen worden ist, das Verhalten derselben bei dem bekannten Antrag Peltasohn. Es handelt sich hier um den speciellen Fall des Notariats in Berlin, in dem auch die größte Zahl der Israeliten selbst sich zuftimmend zu der Verhinderung der übermäßigen Zahl israelitischer Notare in der Hauptstadt geäußert hat. Die Vereine der nationalliberalen Jugend werden also keine „taktischen Mittel" anwenden, um die Juden von sich fern zu halten; sie zählen vielmehr zu ihren Mitgliedern ganz hervorragende jüdische Kräfte, die der Partei nur zur Ehre gereichen können, und hoffen noch recht viele in ihren Reihen zu der gemeinsamen vaterländischen Arbeit aufnehmen zu können."