Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 217 (sequence 6)
- Language
- German
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217 Umschau. ■ öeftraft worden sei. Diese merkwürdige Logik dürste selbst bei eingefleischten Antisemiten nicht verfangen. Im Kreise seiner Getreuen, in der am 23. Marz abgehalten.en Versammlung des christlich-sozialen Vereins, versicherte Stöcker wieder, daß die sozialdemokratischen Angriffe im Reichstage ihn ganz kalt gelassen hätten, und daß die ihm in den letzten Tagen aus allen Ständen der Bevölkerung zugegangenen Glückwünsche ihm ein Ansporn in weiteren Kämpfen sein würden. Für diese dürfte aber die Arena am Königsplatze künftig kaum geeignet erscheinen; seine Abmachungen mit dem Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg über die Agitation im Wahlkreise Wetzlar-Altenkirchen entfremden ihm sogar antisemitische Kreise und führen voraussichtlich zu einem neuen politischen Fiasko. Stöcker's „Volk" berichtete, Dr. Burkhard bereise jetzt diesen Wahlkreis im Aufträge der Christlich-Sozialen, zu deren Gunsten die „Deutsch-Sozialen" auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten wollten. Das deutsch-sociale Hamburger „Deutsche Blair" bestätigte diese Angabe, während die „Staatsbürger-Ztg." dagegen geltend machte, daß über ferren Wahlkreis nur die „Neformpartei" zu verfügen habe. Der Kreis war jedoch bis 1874 konservativ, bis 1878 nationalliberal, bis 1890 wieder konservativ und seitdem nationalliberal vertreten; bei der letzten Stichwahl siegte der Nationalliberale Krämer mit 13070 Stimmen gegen den Centrums-Kandidaten Riehahn, der nur 6208 Stimmen erhielt. Der antisemitische Streit um das Feü des noch nicht erlegten Bären kann deshalb nur humoristisch wirken. Selbst mit dem antisemitischen „Bunde der Landwirthe" liegen sich jetzt die Antisemiten von der Zimmermann'jchen Richtung über Wahlsachen in den Haaren. Der Ausschließung Bruhns aus dem „Bunde der Landwirthe" ist neuerdings auch noch diejenige des Malers Steinhorst gefolgt, was die „Staatsbürger-Ztg." zu wüthenden Ausfällen gegen die Wahlagitation der Herren „Wangenheim, Wenzel und Genossen" veranlaßte. In anderen antisemitischen Kreisen spielen sich allerhand'Zwistigkeiten zwischen den Reformern und den Mitgliedern des Bolrsbundes ab; insbesondere ist dies in Magdeburg der Fall, wo die „Sachsenschau" gegen die „Reformpartei" Front macht, eine Neuorganisation der Antisemiten fordert und von den vorhandenen Zwistigkeiten sagt: „Solche Dummheiten machen nur den Juden die größte Freude!" Es ist bekannt, daß Stöcker sich einst mit dem Freiherrn von Hammerstein in einer Stellung photographieren ließ, als wolle er Arm in Arm mit diesem würdigen „Kreuzzeitungs-Redakteur" fein