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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 216

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-04-01
Page
216 (sequence 5)
Language
German
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2 IG Im deutsche i/lcici). digen, der Gegenstand neuer, noch weit heftigerer Angriffe. Niemand eilte ihm zu Hilfe; diejenigen, welche vielleicht dazu Beruf und Neigung gehabt hätten, schreckte er selbst noch dadurch zurück, daß er wiederum auf die ihm wegen seiner eigenen Handlungen gemachten Vorwürfe nur mit dem von ihm stets zur Abwehr benutzten Hinweis auf Singers Socius Rosenthal antwortete. Die sozialdemokratischen Gegner Stöckers zogen sich unzählige Ordnungsrufe zu, ohne sich sonderlich darüber zu grämen, während der Angegriffene von den Schmähungen, die auf ihn förmlich niederhagelten, so in die Enge getrieben wurde, daß er zuletzt nur noch in kaunl zusammenhängenden Sätzen stammelte, er sei ohne Makel, und diese Debatte mache auf ihn gar keinen Eindruck. . Dagegen sprach aber seine ganze Erscheinung; denn der jene Szene ausführlich beschreibende Berichterstatter des ,,Hannöverschen Courier" sagt: „Das ganze Haus athmete vernehmlich auf, als der Abg. Stadt. Hagen seinen Ordnungsruf weghatte — es war der letzte von 12 —, und der Präsident endlich verkündete, daß die Debatte geschlossen sei. Unmittelbar darauf sah man Herrn Stöcker bleich mit schlotternden Knieen zum Sitzungssaal hinausschleichen. Stöckers Rolle ist ausgespielt. Wenn er noch einen Funken von Selbsterkenntniß besitzt, wird er den Reichstag nicht wieder betreten." Sollte Stöcker geglaubt haben, durch das Herauskehren seiner unwandelbaren Loyalität gegen den Träger der Krone und durch scharfe Betonung des monarchischen Prinzips gegenüber den „Mächten : des Umsturzes" sich in den Regierungskreisen wieder möglich $u; machen, so mußte ihn die Haltung der konservativen Abgeordneten bitter enttäuschen. Von konservativer Seite erging nur die matte Erklärung des Herrn von Levetzow, daß man sich über seine autisocialistische Rede gefreut habe; mehr Sympathie zu bekunden, versagte man sich in Erinnerung daran, an welcher Stelle einst das Wort gefallen war: „Stöcker hat geendigt, wie ich es vor Jahren vorausgesagt habe." Selbst in der Presse fand fast keine Parteinahme für ihn nach der P.rrlamentsschlacht statt, und was die „Staatsbürger-Zeitung" zu seiner Verteidigung vorbrachte, bestand weniger in einem Eintreten für den Parteigenoffen als in Klagen über das Verhalten des Präsidiums und in Angriffen gegen den Abg. Singer und einer langweiligen Wiederholung der gegen die Finna Gebr. Singer gerichteten Vorwürfe. Die Aeußerung Singers, daß Stöckers Behauptung eine verläumderische sei, da wegen derselben 1)r. Bachler einst zu 600 Mk. Geldbuße verurtheilt worden, bezeichnete die „Staatsbürger-Zeitung": deshalb als eine unwahre, weil damals vr. Bachler nur mit 400 Mk!

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