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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 215

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-04-01
Page
215 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 215 meinen, daß sich im Laufe der Zeit ausreichendes Material angehäuft habe, um gegen bestimmte Personen wegen Betheiligung an dem Morde selbst und gegen andere wegen Beihilfe die Anklage erheben g:i können. Da alle Schritte, die angesehene Personen aus hiesiger Gegend bei hohen Staatsbeamten im Sinne der obigen Bitte gethan haben, erfolglos geblieben sind, so setzen die Unterzeichneten ihre Hoffnung auf den Deutschen Reichstag." Hierzu äußert sich die ..Berliner Zeitung": „Der Deutsche Reichstag wird hoffentlich durch allseitige scharfe Verurtheilung dieses Gebahrens, das die Erregung im Volke mit allen Mitteln wachzuhalten sich bemüht, den Hetzern das Handwerk legen." Wenn die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung" das Borgehen der Koniher Vereinigung nur mit der kurzen Bemerkung registriert: „Unsres Erachtens wäre eine Bittschrift an das Abgeordnetenhaus zweckentsprechender gewesen", so ist dies nach dem Verlaufe der. letzten Judendebatten im Landtage und der Stöcker-Debatte im Reichstage sehr verständlich. Die Behandlung, welche die Interpellation des Abgeordneten Peltasohn im preußischen Abgeordnetenhause erfahren hat, ermuthigte bereits einzelne Kreise eine Agitation gegen jüdische Richter ins Werk zu setzen und damit einen langgehegten r Lieblingswunsch der agrarischen und antisemitischen Reaktion zu erfüllen. Daß die Oberlandesgerichtspräsidenten, denen diese „Protest- Petitionen" zugedacht sind, diesen irgendwelche Beachtung schenken, ist aber kaum zu erwarten. Noch geringer dürsten die Ehancen der Antisemiten im Deutschen Reichstage sein, wenn irgendwie diejenige Stimmung vorhält, die sich dort während der jüngsten „Stöcker- Debatten" kundgegeben hat. Noch ist unenträthfelt, was den ehemaligen Hosprediger veranlaßte, am Schlüsse der Reichstagssitzung am 19. März seine eigenen Angelegenheiten selbst wieder zur Sprache zu bringen, insbesondere den „Scheiterhaufenbrief", in welchem er dem Fnüherrn von Hammerstein listige Rathschläge ertheilte, „wie man bei dem Kaiser das Vertrauen zum Fürsten Bismarck untergraben müsse", ferner jenen.unrichtigen Eid, den er selbst 1885 im Beleidigungsprozesse gegen den Redakteur Bäcker geleistet hat. Wenn er wirklich zu den Aeußerungen im Reichstage nach seiner Versicherung nur durch den Wunsch geleitet wurde, sich gegen die ihm in den sozialdemokratischen Blättern beigelegten Ehrentitel zu vertheidigen, so waren Zeit, Ort und Mittel zu dieser Dertheidigung so unglücklich wie möglich gewählt. Am Tage darauf war er fast vier Stunden hindurch, die Zielscheibe der sozialdemokratischen Redner, zunächst ohne anwesend zu sein, dann aber, als er plötzlich auf der Bildfläche erschien, um sich zu verthei-

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