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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 201

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Wissenschaft oder Gefühlsäußerung?
Date
1901-04-01
Page
201 (sequence 5)
Language
German
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Wissenschaft oder Gefühlsäußerung? 201 ihnen sonst so günstige de Candolle recht hat, wenn er sagt, die europäische Kultur würde sofort von Barbaren vernichtet werden, wenn die Staaten nach ihren Idealen eingerichtet würden. Auch wer sie sonst als Lehrmeister in geschäftlichen Dingen anerkennt, wird Bismarck recht geben, wenn er sagt, wo ihre Geschäftsleute die politische Leitung eines Staates beeinstussen, wie in Paris und Wien, sei' es meist vom Uebel. Nicht blos das habsüchtige, auch das edle Judenthum ist meist unfähig, die staatlichen Nothwendigkeiten und Härten, den Mechanismus staatlicher Institutionen zu begreifen. Ein schlagendes Beispiel hierfür sind die socialen Theorien von Karl Marx. Bierkandt charakterisiert die Semiten mit dem Satz, der sehr gut aus Marx paßt: ihre geistigen Schöpfungen erreichen die Realität der Dinge nicht." Sicher zeigt sich in diesem Urtheil das Bestreben, gegen uns nicht ungerecht zu sein. Während Schmoller sonst in dem Capitel von den einzelnen Rassen und Nationen nur sehr wenige andere Forscher citiert, beruft er sich bei den Juden auf das Urtheil von fünf anderen Personen, darunter von zweien, die er für „Semiten" hält. Auch unter den beiden letzteren will er statt des einseitig verurtheilenden Renan lieber Chwolson das Wort geben. Freilich ist es ein Jrrthum, wenn Schmoller Renan zu den Semiten rechnet; es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß dieser berühmte Gelehrte aus einer keltischen Familie stammt.*) Aber auch die Heranziehung der Ausführungen Chwolsons, eines Convertitcn, der in Wilna geboren zur griechisch-katholischen Kirche übertrat, vermag unseres Erachtens die Erkenntniß der Charaktereigenschaften der deutschen Juden in keiner Weise zu fördern. Würden nicht deutsche Katholiken mit Recht den Gedanken zurückweisen, daß den Anklagen des Grafen Hoensbroch deshalb besonderer Werth zukomme, weil dieser früher Katholik war? Gegenüber der Chwolsonschen Schilderung regt sich doch auch in Schmoller selbst der ruhig urtheilende, deutsche Gelehrte, wenn er die Frage aufstellt, ob vieles, was Chwolson über die Semiten sagt, soweit es auf die Juden paßt, nicht viel mehr auf ihre ■) Vgl. z. B. Renan: Lonvsrrirs d’cnfance (1883) des. p. 74, 7,7: Ma raco, ma famillo . . . avaiont fait de moi un idealiste. . . Le trait caraeteristique de la race bretonne, cst Fidealisme, auch seine Schrift Ma. soeur Henriette (1895) p. 4 ff. Uebrigens hat Renan je länger er sich mit der Geschichte der Juden beschäftigte, um so mehr diese, namentlich die in Westeuropa lebenden von den Semiten getrennt und sich günstig über sie ausgesprochen. Vgl. namenlrch seine beiden Schriften: Ls judaisme comme race et comme religion und Le jwlaisrae et le christiamsm* (1883).

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