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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 199

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Wissenschaft oder Gefühlsäußerung?
Date
1901-04-01
Page
199 (sequence 3)
Language
German
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Wissenschaft oder Gefühlsäußerung? 199 uns thun, alle'unliebsamen UrLheile unserer christlichen Mitbürger des vielen handgreiflichen Unsinns wegen, der sich darin findet, lediglich nach dem Gesichtspunkte zu beurtheilen, daß gegen die Besten oft die schlimmsten Verleumdungen ausgesprochen werden. Manches Worck, das uns nicht gefällt, kann uns Nutzen bringen, wenn es uns auf wirkliche Fehler und Schwächen aufmerksam macht. Ehe wir Schmollers Ausführungen wiedergeben, fei noch bemerkt, daß in ihnen nichts Gemeines, nichts Hetzerisches, nichts Lügenhaftes Zu finden ist. Schmoller ist ebenso weit entfernt, sich bewußt durch die öffentliche Meinung, die sich so leicht auf falschen Bahnen bewegt, in feinem Denken bestimmen zu lassen wie in schmählicher Rücksichtnahme auf sie in.wissenschaftlichen Werken absichtlich zu entstellen und zu färben; zu ersterem ist er zu sehr Gelehrter, zu letzterem steht er als Mensch zu hoch. Schon früher hat Schmollet) ausdrücklich anerkannt, daß „ein großer Theil des jüdischen Mittelstandes durch seine Begabung und seine Tugenden in den mittleren Ständen des Erwerbslebens, des Beamtenthums und der liberalen Berufsarten" dem deutschen Vaterlande Nutzen bringt. Ebenso schreibt er auch jetzt den Juden viele Eigenschaften zu. die als der gesummten Kulturentwicklung förderlich angesehen werden müssen. Wenn wir trotzdem gegen die Schilderung Einspruch erheben, welche Schmoller von uns entwirft, so liegt dies daran, daß er unter dem Einflüsse der antisemitischen Strömung und eigener Mißstimmung gegen einzelne Juden aus deren Fehlern Anlaß zu allgemeinen Vorwürfen gegen uns entnommen hat, und daß diese Vorwürfe von unseren Gegnern zu Angriffen benutzt werden können, die Schmoller selbst nicht billigen würde. Schmoller sagt nämlich in seinem neuen Werke: „Die Semiten sind der ältere Zweig; sie haben allerdings im Anschluß an eine ältere wohl mongoloide Kultur, an das akkadische oder sunerische Reich im Mündungsgebiet des Euphrat, die chaldäische, technische und wissenschaftliche Kultur, die Grundlagen des Maß- und Gewichtvsystems geschaffen; sie haben in ihrem phönitischen Zweige, dem ersten großen Handelsvolke, die Formen des Handels •) nämlich in einem Aufsatze, den er 1684 nach dem Tode Eduard Lasker's veröffentlichte. Vgl. den neuen Abdruck jenes Aufsatzes in Schmoller: .Zur Social- und Gcwerbepolitik ^Leipzig 1890), S. 328, Note 2. Auch im Gespräch mit Herrmann Bahr sprach sich Schmoller für die Gleichberechtigung der Juden, sowie dafür aus, daß die Assimilierung der verschiedenen Raffenelemente „durch eine einheitliche Bildung und durch Verstärkung der einheitlichen Elemente in Sitte und Moral" gefördert werde. Vergl. Bahr: Der Antisemitismus. Ein internationales Interview (1894) S.36.

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