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Im deutschen Reich · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. 198

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Wissenschaft oder Gefühlsäußerung?
Date
1901-04-01
Page
198 (sequence 2)
Language
German
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198 Im deutschen Reich. an dem ungünstigen Massengefühl, noch eine individuelle Abneigung gegen einen einzelnen Juden oder gegen einzelne Klassen der Juden den Blick trübt. Alsdann werden der Gesamultheit der Juden die Fehler jenes Einzelnen oder jener Klassen angerechnet. So liegt in jenen Vorwürfen nur ein Ergebniß des Gefühls. Dennoch werden sie von vielen, wo sie in wissenschaftlichen Werken auftreten, als Ergebniß wissenschaftlicher Forschung angesehen. Ganz besonders ist dies bei der Charakteristik der Juden zu befürchten, welche der berühmte Nationalökonom Gustav Schm oller kürzlich im ersten Bande seines „Grundrisses der Allgemeinen Volkwirthschaftslehre" *) veröffentlicht hat. Als die Redaktion dieser Zeitschrift sich mit dem Ersuchen an mich wandte, diese Ausführungen Schmollerö zu besprechen, schien mir die Verehrung, welche ich für jenen Gelehrten empfinde, kein Grund, meine Beihilfe zu verweigern. Ebenso wenig durfte für die Redaktion oder für mich die Erwägung maßgebend sein, daß meine Erörterungen Herrn Professor Schmoller leider kaum veranlassen werden, sein Urtheil in einer späteren Auflage zu ändern. Es ist in dieser Zeitschrift schon genugsam hervorgehoben worden, daß dem wissenschaftlichen Antisemitismus gegenüber, der für uns viel mehr Gefahren als der Radau- und Straßen - Antisemitismus enthält, das vornehme Ignorieren unangebracht ist.-) Wer später 8me ira ef; studio unsere Geschichte oder unseren Charakter feststellen will, wird auch die Auoführungen beachten müssen, in denen wir selbst unzutreffende Bearbeitungen jener Probleme richtigstellen. Auf diese Weise wird aber die Wiffenschaft früher von der Infektion befreit werden, welche auch sie durch die antisemitische Erkrankung weiter Volksmassen erleidet, als' es ohne jene Widerlegungen der Fall wäre. Aber auch für die Angehörigen unserer .Glaubensgemeinschaft kann eine Feststellung dessen nur nützlich sein, was in den absprechenden Urtheilen über Juden und Judenthum berechtigt, was falsch ist. Leider lassen sich manche Juden selbst durch jene falschen Urtheile verwirren. Bei mangelndem Charakter werden sie dadurch veranlaßt, ihre väterliche Religion gesinnungslos, zu verleugnen; bei Mangel an Intelligenz nimmt ihnen die von ihnen selbst geglaubte alberne Behauptung,- daß sie einer minderwerthigen Raffe angehören, das Streben nach Dervollkommenung. Aber unrichtig ist es auch, wie es manche unter r) 1900. S. 151 ff. 2) Vgl. namentlich Fuld, Antisemitismus in der Wiffenschaft in Bd. III, S. 403 ff.

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