Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Die Juden im preußischen Osten
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 189 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Juden im preußischen Osten. 189 thum im preußischen Osten verdient gemacht zu haben, schrieb der „Dziennik Posnanski" sofort von „jüdischem Hakatismus". Dem polnischen Blatte kann es nicht fremd sein, daß die Juden im preußischen Osten gute deutsche Patrioten, aber keine „Hakatisten" sind und sein können, nicht nur weil sie selbst eine vielfach bedrängte Minderheit bilden und es bitter empfinden, wenn irgend etwas geschieht, was ihnen die alte Vätersitte verkümmert oder beschimpft, sondern weil auch wiederholt in den Kreisen der sogenannten „Hakatisten" sich nationale Voreingenommenheit und chauvinistische Regungen gezeigt haben, die bei jedem Juden Mißtrauen erregen müssen. Der „Ostmarken-Verein", den die Polen als die Vereinigung der „Hakatisten" bezeichnen, hat sich zwar erst jüngst wieder dagegen verwahrt, daß er die Juden nickt für voll ansehe und ihnen eine geringere nationale Bewerthung zu Theil werden lasse, aber die Thatsache, daß noch kein Jude im preußischen Osten sich'nationaler Stipendien erfreuen konnte, sondern daß auch unter der Flagge des Deutschthums immer neue Gründungen entstehen, welche die Juden wirthschaftlich zu Grunde richten, kann jener Verein damit nicht aus der Welt schaffen. Daß er, indem er dem deutschen Antisemitismus freien Spielraum läßt, die deutschen Juden der Provinz Posen zur Auswanderung veranlaßt und wenn auch wider Willen ihre Ersetzung durch polnische Elemente fordert, also sich selbst den Boden abgräbt, scheint dem „Oftmarken-Verein" noch gar nicht einzuleuchten. Wenn die deutschen Worte des Herrn M. Jaffö über die Bedeutung der Juden für das Deutschthum im Osten Preußens in jenen Kreisen noch kein Verständniß gefunden haben sollten, so hätte dasselbe eigentlich durch den Widerspruch geschaffen werden müssen, den diese Worte bei den Polen und bei denjenigen Juden fanden, welche deren Drohungen ernst nehmen. Der „Dziennik" warnte nämlich auch bedeutungsvoll davor, daß die deutsche Begeisterung der Juden dem polnischen Antisemitismus neue Anregung geben werde. Deren bedarf der „Post6p" und sein Gefolge kaum noch; sie erhalten dieselbe beständig dadurch, daß ihnen von den leitenden polnischen Kreisen nicht energisch entgegengetreten wird, daß diese es selbst ruhig hingehen lassen, wenn die radikale polnische Presse sich Angriffe gegen Adel und Geistlichkeit erlaubt, oder wenn ihre Nachbeter, wie in der Jersitzer Versammlung, sich über den Antrag, ein Bittgesuch an den Erzbischof zu richten, abfällig äußern. Wer sich selbst von den Geschäftsantisemiten terrorisieren läßt, (diese Erfahrung hat man anderwärts überall machen müssen) verliert die Fähigkeit, die Massen zu leiten und kann den Antisemitismus