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Im deutschen Reich · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. 178

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-03-01
Page
178 (sequence 3)
Language
German
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178 Im deutschen Reich. durch keinen Angriff ihr Vaterland verekeln lassen dürfen. Die Juden würden, wenn man sie nicht zu Offizieren und auch nicht zu Unteroffizieren mache, in Reih' und Glied als schlichte Soldaten gern für ihr Vaterland kämpfen und sich niemals isolieren lassen. Sie führen den Kampf nicht, um Stellen zu erwerben, sie wollen nicht Beamte werden, weil sie die freien bürgerlichen Berufe unterschätzen, sondern protestieren nur im Interesse'der. Gleichberechtigung gegen ihre Nichtzulaffung zu gewissen Berufen und kämpfen nur, damit Recht, Recht bleibe. Nachdem die formelle Abstimmung über die Protestresolution volle Einstimmigkeit ergeben hatte, wurde die Versammlung in gehobener Stimmung geschloffen. Die Versammlung der im Norden und Nordosten wohnenden Mitglieder des Fentral-Vereins, welche am 7. März im Saale der Brauerei „Königstadt", Schönhauser-Allee 10/11 abgehalten wurde, war wiederum sehr zahlreich besucht. Nach einer einleitenden Ansprache des Herrn Redakteur R. Wohlberg sprach Herr Rabbiner Dr. B. Elsaß aus Landsberg a. W. in einem N/2stündigen sehr lehrreichcnj Vorträge über „Vorurtheile". Anknüpfend an die im Abgeordnetenhause gefallene Aeußerung des Justizministcrs, in welcher derselbe ber in einzelnen Kreisen herrschenden Abneigung gegen Juden uridi Judenthum eine gewisse Berechtigung zugestand, erörterte der Vor-- tragende die Fragen, woher dieses entschieden unberechtigte Dorurtheib stamme und wie es zu bekämpfen sei. Der Vortragende verwies mif; den Neid, welchen die durch Fleiß, Mäßigkeit, Sparsamkeit rrnd^ Familiensinn errungenen Erfolge der Juden erwecken, betonte aber, dann, daß dieser Neid nicht der alleinige Nährboden für das auü-' semitische Vorurtheil sei, da dasselbe in fast judenreinen Ländern sich ebenfalls in peinlicher Weise bemerkbar mache. Vorzugsweise finde sich dasselbe in den Kreisen der Landwirthe und Handwerker vor, trotzdem diese am wenigsten mit dem Wettbewerb der Juden zu rechnen hätten. Sie erschweren den Juden in jeder Weise die Betheiligung an der Bodenkultur und am Handwerk, werfen ihnen aber demungeachtet fortwährend vor, sich vorzugsweise dem minderbeschwerlichen Handel zuzuwenden, zu dem dieselben doch weder durch Raffeneigenthümüchkeit noch durch die Religion getrieben worden sind. Im heiligen Lande waren die Juden ein ackerbautreibendes Volk und überließen das kaufmännische Geschäft vollständig den Phöniziern. Ihre Gesetzgebung, ja selbst die Segensverheißungen in ihren Gebeten trugen jederzeit einen völlig landwirtschaftlichen Charakter. Das mittelalterliche Vorurtheil, welches den Juden den Grundbesitz und die Zünfte verschloß, wirkt heute noch in den Kreisen der Landjunker

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