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Im deutschen Reich · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. 179

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-03-01
Page
179 (sequence 4)
Language
German
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Md der zünftlerischen Innungen fort. Wo die Juden freie Bahn haben, sich an Ackerbau und Handwerk Zu beteiligen, Z. B. in England, Holland, Rußland, sind sie massenhaft an diesen Erwerbszweigen betheiligt. Zum Deckmantel für das antisemitische Vorurtheil muß auch die Nassen-Theorie herhalten, und hierbei fälscht sogar oft die Wissenschaft Thatsachen. um das Vorurtheil. zu nähren. Große Philosophen, welche andere Dorurtheile wacker bekämpften, sind selbst nicht frei von dem ^antisemitischen Vorurtheil geblieben, das ihnen wahrscheinlich schon in der Kindheit von sehr unphilosophischer Seite aus cingeimpft worden war. Auch politische Gründe, haben vielleicht dem Bestreben gedient, das Vorurtheil gegen die Juden zu züchten und zu nähren. Auch auf diesem Gebiete zeigt sich die^ Praxis, die Juden erst auszuschließen und, dann ihr Fernbleiben ihnen zum Vorwurf zu machen. Die Wurzeln des antisemitischen Borurtheils glaubte der Vortragende in der Verschiedenheit der ReligionsbekennLnisse zu finden, trotzdem die Religion die Juden in keiner Weise hindere, sich als gute Deutsche zu bewähren Der Redner betonte, daß es keine deutsche Religion gebe, daß das Christenthum mindestens ebenso international wie das Judenthnm sei und von den antisemitischen Vorurtheilen selbst nur empfindliche Nachthcile habe. Fanatismus, Obscurantismus, Bigotterie, welche gemeinsam die religiöse Unduldsamkeit förderten und statt Liebe und Versöhnung. Haß, Zwietracht und Verfolgung erzeugten, hätten stets die Tochter-Religion ebenso wie die Mutter-Religion geschädigt. Für die Juden ergebe sich aus den herrschenden Vorurtheilen die Pflicht, an der Selbstzucht beständig zu arbeiten, Aufklärung verbreiten zu helfen und, wo es möglich sei, Verständigung anzubahnen, die Vorurthcile aber ruhig in's Auge zu fassen. Vom frühesten Lebensalter würde Dielen das antisemitische Vorurtheil anerzogen. In der Kinderstube, .auf der Schulbank, auf der Universität, bei Güterverwaltungcn, im politischen Leben und sonst auch wirke das Vorurtheil wie eine Hydra, der immer neue Köpfe wachsen. Dies dürfe uns aber nicht, irre' machen in der Hoffnung auf den schließlichen Sieg der Aufklärung und der Menschenliebe, nicht wanken machen in der Treue zu dem Glauben Israels. Der Kampf gegen das Vorurtheil sei wie der Kampf gegen Amaler, bei dem Israel siegte, wenn Moses betend die Hände zum Himmel erhob, der Feind aber vordrang, wenn Mojes die Arme ermüdet sinken ließ. Nur durch treues Festhalten am jüdischen Glauben und deutscher vaterländischer Gesinnung könne der Kampf gegen die judenfeindlichen Vorurthelle einen glücklichen Ausgang nehmen und nur dann, wenn er geführt werde mit dem Bewußtsein, daß wir Kämpfer

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