Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 167 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 167 lagcr abspielt, steht wahrlich nicht auf der Höhe echter deutscher Kultur, sondern ist wohl die ärgste KarrikaLur deutschen Volkslebens und für alle Zeiten gebrandmarkt — als „die Schmach des Jahrhn nderts". Das „Kl. Journal" berichtet: „In einem Wohlthätigkeitsverein, bem Juden und Christen .angehören, wurde der Plan erwogen, 'bedeutende PrivaLsammlungen von Gemaloen dem großen Publikum gegen ein Entree zugänglich zu machen, dessen Ertrag dem wohlthätigen Werke zu gute kommen sollte. Der königliche Museumodirektor vr. B. (Bode) schrieb in dieser Angelegenheit an einen Herrn v. D. (Dirksen), den Inhaber einer solchen Gallerie, welcher erwiederte, .,daß er nicht gesonnen sei, sich von den plattfüßigen Juden seine Teppiche beschmutzen zu lassen." Herr vr.B., KöniglicherMuseumsdirekter, schrieb darauf an Herrn v. D. einen Brief, worin er aus vollem Herzen dem Antisemitismus des Herrn v. D. Zustimmte und noch einige Bemerkungen daran knüpfte. Zugleich richtete er an das jüdische Vorstandsmitglied des Wohlthätigkeitsvererns Frau Direktor W. (Wallich) ein Schreiben, durch welches er lediglich die Ablehnung seitens des Herrn v. D. kundgab. Zerstreut, wie alle großen Männer, verwechselte Herr Direktor I)r. B. die beiden Briefe, und so erhielt Frau Direktor W. das ihr nicht zugedachte antisemitische Antwortschreiben des Direktors Dr. B. an i>crrn v. D. Wie wir hören, hat die Angelegenheit bereits ein Nachspiel Ln der Form gehabt, daß der liberale Maler Professor L. eine.Erklärung von Herrn!)r. B. gefordert und eine solche von dem tapferen Königlichen Direkter und Antisemiten auch erhalten hat/' Als im Januar d. I. mehrfach die Meldung veröffentlicht wurde daß ein hiesiger Rechtsanwalt wegen eines Sittlichkeitsverbrccheus verhaftet worden sei, brachte die „Staatsbürger-Ztg." die Mittheilung,- der Verhaftete sei der in der Charlottenstraße wohnhafte Rechtsanwalt Or. Felix M. Dieser an der Sache völlig unbethciligte Herr stellte Strafantrag wegen Beleidigung. In der am 13. März stattgehabten Schöffeugerichtsverhandlung wurde daraus der verantwortliche Redakteur der „Staatsbürger-Ztg.", O t to B ö ck l e r, Zu 300 M. Geldstrafe verurthcilt. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Deutsch-Israelitische Gemeindebund einen Kursus Zur musikalischen Fortbildung jüdischer Kantoren. Der Kursus reicht vom 15. April bis zum 4. Juli 1901 und steht jedem stimmbegabten staatlich geprüften ijraeliiischen Lehrer kostenlos offen, fofcin er sich zum regelmäßigen Besuch des ganzen Kursus und zur privaten Benutzung eines Klaviers verpflichtet. Zn Aufnahmeprüfungen sind die-Leiter der Hebungen