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Im deutschen Reich · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. 159

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-03-01
Page
159 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 159 wirklich nicht dessen voll bewußt ist, was er sagt; denn in seiner am 4. März gehaltenen neuen Hetzrede, ließ er die Juden nicht mehr in der Nähe des Thrones wimmeln, sondern faselte entgegengesetzt von einem „ Sturm aufden Hohenzollern-Palast", beidem er „das Schloß in Trümmer" sinken ließ, nachdem „der letzte Mann gefallen war". Daß man einen so wunderlichen Phantasten die Massen ungestört haranguiren läßt, hat bereits verrohend gewirkt und wird wahrlich den Juden am wenigsten Schaden bringen. Wohin diese Art von Antisemitismus führt, zeigt sich bereits an vielen Stellen. Vor der Strafkammer in Beuthen beantragte am 21. Februar der Staatsanwalt, den SchachtarbeLLer Johann Pox aus Königshütte wegen einer auf öffentlicher Straße geschehenen gotteslästerlichen Aeußerung zu zwei Monaten Gefängniß zu venustheilen.. Der Vertheidiger führte dagegen an, daß die Aeußerung mehr eine antisemitische als eine gotteslästernde.st. Allerdings sei Ln der antisemitischen Aeußerung eine gotteslästernde enthalten, aber er beantrage, die von der Staatsanwaltschaft festgesetzte Strafe herabzusetzen. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängniß..— In einer Vorstadt von Ratibor zerschlug der Oekonom Wiszik aus Profchewiz in dem Lokal des jüdischen Schankwirths Guttmann unter wüsten antisemitischen Drohungen Thüren und Fenster und versetzte dem christlichen Fleischermeister Kostka, der seinem jüdischen Nachbarn zu Hilfe eilte, einen Dolchstich, der den Fleischer schwer verletzte. Nur mit Mühe konnte der rasende Messerheld von sechs Leuten überwältigt, in Fesseln gelegt und in das Polizeigefängniß geschafft werden, von wo ferne Ueberführung in das Ratiborer Gerichtsgefängiß erfolgte. Wie die Nachbarn erzählen, hat der sonst ruhige und bescheidene Mensch in letzter Zeit tagelang Bücher und antisemitische Zeitungen gelesen, deren hetzender Inhalt zweifellos seinen Sinn erregt und verwirrt hat. Kostka wurde schwerverletzt in seine Wohnung gebracht. Dieselben antisemitischen Tiraden, die nach dem Zeugniß zweier Polizeiofstziere in Berlin nur Heiterkeit erregen, führen also jetzt schon in der Provinz zu Krawall und Körperverletzung. Nicht minder aufreizend wie die blüthenreichen Reden Pücklers wirren auf die empfänglichen Gemüther harmloser Hörer die Talmud-Studien des Kloriner Pfarrers Krösell, von welchen der Abg.vr. Barth im Parlament erklärte, daß ihre Wirkung eine sehr verhängnisvolle sein könne. Dieser Geistliche habe wiederholt in seinen Vorträgen von der „Thatsache des Ritualmordes" gesprochen, versichert, daß der Jude verpflichtet sei, vor Gericht einen Meineid zu leisten, wenn er dadurch einen anderen Juden schützen könne. Am Dersöhnungstage würden alle

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