Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 156 (sequence 2)
- Language
- German
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100 Zm Deuychen Meid). beeinflußten Organe selbst die Schlußworte jener Rede erzielen, welche Adolf Stöcker am 22. Februar in der christlich-sozialen Versammlung in der Tonhalle hielt. Der ehemalige Hofprediger sagte nämlich: „Wenn man in der auswärtigen Politik die christlichen'Grundsätze vernachlässigt, so erreicht man, daß man, wie in der Armenierfrage die Christen, so in der Burensache die Nationaldenkenden verletzt, und es tritt eine Kluft ein zwischen der nationalen Stimmung im Volk und den Urtheilen des Monarchen, die monarchische Männer nur bedauern können". Gleichzeitig brachte aber die „Nordd. Allg. Ztg." eine offiziöse Rotiz. in welcher als ausschließliche Veranlassung der Reise des britischen Herrschers nach Deutschland der leidende Zustand der Kaiserin Friedrich bezeichnet und dann weiter erklärt wurde: „Obgleich also der Besuch in Cronberg als Akt brüderlicher Pietät einen rein familiären Charakter trägt, haben doch einzelne deutsche Blätter daraus ein politisches Ereigniß zu machen gesucht, um sich in giftigen Angriffen zu ergehen, welche auch Seine Majestät den Kaiser und König auf das tiefste verletzen müssen. Es wird damit ein Grad von Gesinnungsrohheit verrathen, der die schärfste Zurückweisung verdient". Daß dieser Hieb saß, bewies die Math, mit welcher der Berliner Antisemiten.Moniteur sich unter dem Vorwurf der „Gesinnungsrohheit" wand und gleichzeitig mit der Versicherung, durch den einfachen Krankenbesuch des kaiserlichen Oheims nie „zu giftigen Angriffen" veranlaßt worden zu sein, über „dummdreiste offiziöse Verdrehungen" zeterte. Der deutsch-soziale Aba. Liebermann von Sonnenberg, der durch konsequente Wiederholungen bissiger Bemerkungen über. die „Engländerei" jenen „rechtenMännerstolz vorKönigsthronen"zu beweisen gesucht hat, der ihm u. a. auch im Huldigungs-Telegramm der „deutsch-sozialen Männer von Hessen und Waldeck" nachgerühmt worden ist, zeigte der offiziösen Zurechtweisung gegenüber größere Gcmüthoruhe. Er wiederholte noch am 5. März im Deutschen Reichstage seine boshaften Witzeleien über die deutsche auswärtige Politik und über die Inschrift des Schwarzen Adler-Ordens und erwarb dadurch sogar den Beifall der „loyalen" Konservativen, weil er dabei die dem jüdischen Generaldirektor Ballin verliehene „brillantene Auszeichnung" mit einflocht. Man muß es dem deutsch-sozialen „Rufer im Streit" ohne weiteres zugestehen, daß er sich auf die Behandlung der Konservativen versteht! Wie diese sich von den.Antisemiten nasführen lassen, hat auch die Kündigung des Kalender-Vertrages durch das Präsidium des Deutschen Flottenvereins bewiesen- Der