Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 155 (sequence 1)
- Language
- German
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m offiziöser Seite ist kürzlich der antisemitischen Presse gründlich der Text gelesen worden, aber die zahlreichen Verbeugungen die von denselben Kreisen fast gleichzeitig vor dem judenfeindlichen Heerbann gemacht wurden, haben den Emdruck jener wohlverdienten Vorwürfe so sehr abgeschwächt, daß der Uebermuth der antisemitischen Volksaufwiegler keineswegs gedämpft erscheint. Als die Nachricht sich verbreitete, daß der König von England nach Deutschland reisen und möglicherweise nach dem Besuche bei der Kaiserin Friedrich von Cronherg aus nach Berlin kommen werde, wurden sofort von antisemitischer Seite Kundgebungen vorbereitet, welche auf die Gesinnungen der „Erbpächter der Königstreue" das grellste Licht warfen. In der von den Großmeistern des» „Deutschen Volksbundes", Hans von Mosch, Dt. Otto Böckel und Professor vr Paul Förster herausgegebenen „Deutschen Reform" stand am 17. Februar nachstehende Proklamation: „Bundesbrüder! Für den Fall, daß Seine Majestät der König Eduard von England nach Berlin kommt, setzen wir hiermit für den Abend vorher um 9 Uhr eine Mitg!ieder-Versammlung ohne Gaste im Bundesheim an, damit wir über unsere „Theilnahme an den Festlichkeiten" schlüssig werden können! Dann fehle Keiner!" Die Mitglieder des antisemitischen „Deutschen Volksbundes" sind nickt in die Lage gekommen, sich an einer solchen Kundgebung zu betheiligen, deren angebliche Harmlosigkeit zwar nachträglich von den Leitern jenes Bundes betheuer't worden ist, aber glücklicher Weise nicht auf die Probe gestellt wurde. Wenn Sigl's „Bayerisches Vaterland" dem Oheim unseres Kaisers den Rath ertheilte, mit Rücksicht auf die „Berliner Pflastersteine" der deutschen Reichshauptstadt fern zu bleiben, so scheint wenigstens der urwüchsige bayerische Antijemitenführer den Berliner „Bundesbrüdrrn" nicht viel Gutes zugetraut zu haben. Die „Neue Bayerische Landeszeitung" wurde wegen eines ähnlichen Artikels beschlagnahmt, und ihre Redaktion hat sich durch denselben eine Anklage wegen Majestätsbelcidigung zugezogen. Eine gewisse aufregende Wirkung mußten neben viel schlimmeren Aeußerungm der „Staatsbürger-Zeitung" und der von Liebermann von Sonnenberg