Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Die jüngsten Judendebatten im Abgeordnetenhause
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 132 (sequence 12)
- Language
- German
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Hin deutschen Reich. tt'i noä) die ersten Nummern der antisemitischen Zeitungen^ die erschienen sind in der Zeit, als der Mord kaum ruchbar geworden war. Da hieß es: „Warum setzen denn die Juden keine Belohnung aus, das ist doch ein Zeichen ihres Schuldbewusstseins! sie haben ja soviel Geld, sie brauchten ja bloß 50000 Mark auszujetzen, dann wird der Mörder sicher gesunden werden". Unser Schweigen und unsere Zurückhaltung haben sie uns zum Vorwurf gemacht. Wir haben mit Recht Bedenken getragen, Prämien auf die Entdeckung des Mörders zu setzen, die zum falschen Zeugmß geradezu animierten. Als die Belohnung ausgesetzt war, wie schnell haben sich Herr Maßloff und Frau Roß gefunden und alle die andern, die etwas gesehen haben wollten. Auch Maßloff ist schließlich nur das Opfer der Agitation geworden, die den Mord aus den geraden Wegen der Rechtspflege in die verschlungenen Pfade der Parteileidenfchaft hineingerissen hat. (Sehr richtig!) Man will gegen uns einen Vorwurf erheben, wenn wir nicht ruhig zugesehen, ‘ wie in Könitz gegen die Juden agitiert und gehetzt worden ist, wenn wir den Angegriffenen und Verfolgten nicht zur Seite gestanden haben. Wir haben ihnen Vertheidiger geschickt, das leugnen wir gar nicht und es wäre pflichtvergessen von uns, wenn wir das nicht gethan hätten. (Sehr richtig!) Was an praktischen -Maßnahmen dem Terrorismus der antijemitischen Agitation gegenüber geschehen soll, ist schwer zu sagen. Reicht ist es, das Vertrauen zu verlieren, und davor wollen wir Sie warnen. Lassen Sie sich das Vertrauen auf den Sieg der Gerechtigkeit nicht rauben. Gottes Mühlen mahlen langsam; ans die Dauer lassen sich Wahrheit und Gerechtigkeit nicht unterdrücken. Im Grundegenommen ist auch der Antisemitismus eiu Theil vou jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Wir danken ihr unsere Verinnerlichung, sie befestigt uns in der Treue jnr Glaubensgemeinschaft. In dem uns aufgezwungeuen Kampfe werden wir gestählt und geläutert. Unser Vaterland wollen wir uns nicht verekeln lasten. Wir haben das Vertrauen, daß bei den Männern, die au der Spitze der Verwaltung stehen, unser Mahnruf nicht uugehört verhallen wird. Das Vaterland har das Interesse, > sich alle seine Söhne zu erhalten; in den Stunden der Noth und Gefahr wird es sie brauchen. Auf Gerechtigkeit muß der Stait aufgebaut sein. Umdräugt von allen möglichen Widersachern, wird er ein Rechtsstaat sein, oder er wird nicht sein. (Sehr richtig!) Da unser Schicksal an den Sieg des Rechtsstaates geknüpft ist, bangt mir vor der Zukunft nicht, w.enn wir jetzt auch anscheinend wenig Freunde haben und in den Parlamentödebatten nur die Frei-