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Im deutschen Reich · 1901-03-01 · Heft 3 (März 1901) · p. 128

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 3 (März 1901)
Article
Die jüngsten Judendebatten im Abgeordnetenhause
Date
1901-03-01
Page
128 (sequence 8)
Language
German
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128 Im deutschen Reich. Wir haben uns bisher' in der Erörterung der Konitzer Frage Reserve auferlegt, weil die Verhandlungen noch geschwebt haben. Sie sind jetzt.theilweise zum Abschluß gekommen, und ich meine, daß man um der Selbsterhaltung willen und schließlich auch um der Interessen des Vaterlandes willen nicht zu dem, was uns in der Konitzer Frage das Herz bewegt, schweigen darf. (Sehr richtig!) Vor einem Jahre ist dort ein Mord verübt! Die Verhältnisse waren dazu angethan, daß bei normalem Lauf der Dinge der Thäter hatte entdeckt werden müssen. In dem Herzen einer kleinen Stadt ein Mord, an dem mehr wie einer betheiligt sein muß; die Zerstückelung, die Verpackung, die Beiseiteschaffung der Leiche, die zahlreichen Spuren, sie mußten, wenn nichts dazwischen kam, und wenn die Parteileidenschaft sich nicht der Frage bemächtigte, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zur Entdeckung der Mörder führen. Wenn die That nicht entdeckt ist, wenn Aufruhr und Landfriedensbruch dort gewüthet, die Häuser und den Tempel unserer Glaubensgenossen beschädigt haben, wenn der Mord nicht gesühnt ist, aber der Meineid zahllose Opfer fordert und die Zuchthäuser zu bevölkern scheint, so stelle ich nicht an zu erklären, daß an diesem Ergebniß die antisemitische Agitation schuld ist. (Lebhafte Zustimmung.) Kaum war die Nachricht von der Mordthat durch die Zeitungen gegangen, kaum war der Leichenbefund geschehen, so tauchte das Märchen von dem Ritualmord auf, und cs ist in einer Weise kolportiert und verbreitet ^worden, die jedweder Beschreibung spottet. Die „Staatsbürger-Zeitung" hat, das kann man ruhig sagen, davon gelebt. (Sehr richtig!) Für sie ist es ein Stück ihres Geschäftes gewesen. ' (Erneute Zustimmung.) Der Verleger hat sein Hauptquartier nach Könitz verlegt, und dort ist eine Neben-llntersuchungo- Kommission eingerichtet worden, welche die Zeugen verhört und vernommen hat und der Polizei ihre Direktiven hat geben wollen. Tagelang konnte man spaltenlange Artikel darüber lesen, daß es wirklich Ritnalmorde gegeben hat und giebt. Was haben wir nicht alles zu hören und zu lesen.bekommen? Wenn man die Herren Antisemiten vor die Frage stellt, ob sic denn wirklich glauben, daß es einen jüdischen Rrtualmord giebt, daß die jüdische Religionsgesellschaft, welche der Welt den Dekalog, das Sitrengefetz und schließlich ihnen auch ihren Heiland gegeben hat, den Ritualmord predigen würde, dann erklären sie wohl, daß der jüdischen Religionsgemeinschaft der Mord nicht zur Last falle, aber es gebe so eine abergläubische Sekte, (Heiterkeit) die Cyristenblut braucht. Wenn sie aber auf Könitz kamen, beschuldigten sie des Mordes nicht

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