Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Die jüngsten Judendebatten im Abgeordnetenhause
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 127 (sequence 7)
- Language
- German
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Die jüngsten Jndendebatten im Abgeordnetenhause. 127 Votum für die Wahrung der Gesammtinterefsen des Vaterlandes ertheilen zu können. Untbr dem Terrorismus der Antisemiten haben sie ihre glorreiche Vergangenheit verleugnet und die Wahrung der Verfassung allein der Freisinnigen Vereinigung und der Dolkspartei überlassen. Mitten in diesen Versassungsfragen ist — und damit komme ich zum zweiten Gegenstände meines Referats — im -Parlament der Konitzer Ritualmord oder, wie man heute sagt, der Koniher Blutmord, behandelt worden. Hier ist die Interpellation nicht von den Freisinnigen ausgegangen, sondern hier haben die Konservativen in den Koniher Gerichtsverhandlungen Anlaß zu haben geglaubt, mit der Tätigkeit der Behörden im Ermittelungsverfahren unzufrieden zu sein. Zahm und zart ist der Minister interpelliert worden, ob denn die Behörden den Mörder immer noch nicht entdeckt hätten, zahm und zart ist geantwortet worden: Es geschehe alles, was geschehen könne, die Behörden thäten ihre Schuldigkeit. Auch hier hat sich wieder der Terrorismus der antisemitischen Agitation in der Rede des Antisemiten Werner gezeigt, und auch hier sind es nur die Freisinnigen und Volkspartciler, vor allen Rickert und Wiemer gewesen, die diesem Treiben entgegengetreten sind, lieber Könitz wäre unendlich viel Stoff zum Reden gewesen; denn diese Dinge berühren wirklich die Gesammtintereffcn des Volkes. Wenn der Terrorismus der antisemitischen Agitation an dcr Verfassung rüttelt —, nun, so mag das vielleicht noch hingehen; dafür mögen die Herren die Verantwortung tragen, welche die Verfassung zu hüten haben; wenn er aber an den Säulen der Rechtspflege rüttelt, wenn er Gut und Ehre und Leib und Leben bedroht, dann kann dazu nicht geschwiegen werden. So sind tatsächlich die .Dinge geworden! (Beifall.) Nicht die Konservativen und Antisemiten haben Anlaß gehabt, den Minister wegen Könitz zu interpellieren; eigentlich hätten das die Juden thun müffen. Die Konservativen und Antisemiten haben zwar gefragt, ob der Mörder noch nicht gefunden sei; gemeint haben sie aber offenbar die Frage, wann denn endlich einmal der jüdische Mörder gefunden werden würde. (Beifall.) Denn solange die Behörden den jüdischen Mörder nicht finden, thun sie nach Auffassung der Antisemiten ihre Schuldigkeit nicht (Heiterkeit), und der Herr Oberstaatsanwalt Lantz, Staatsanwalt Settegast und der Untersuchungsrichter Zimmermann und der Bürgermeister Deditius und die Kriminalkommissare, wie sie alle heißen. Herr Wehn und Herr Braun, denen es nicht gelungen ist, den jüdischen Mörder zu finden, die haben nach Auffassung der Antisemiten offenbar ihre Schuldigkeit nicht gethan.