Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Die jüngsten Judendebatten im Abgeordnetenhause
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 126 (sequence 6)
- Language
- German
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126 Im deutschen Reich. zahl angestellt werden, so hätte sie nicht sagen können, daß sie ohne Unterschied ihrer Religion angestellt werden sollen. Zu einem schreienden Unrecht wird dieser prozentuale Maßstab übrigens dann, wenn die Juden aus allen Ressorts so gut wie ganz ausgeschlossen, in die Justiz gedrängt und dort noch prozentualiter dividiert werden. Wenn man sie noch in allen Verwaltungen zuließe, dann hätte eine prozentuale Zulassung wenigstens den äußeren Anschein einer Berechtigung; aber sie aus allen Ressorts hinauszudrängen und sie in einem nur im Ver« hältuiß zur Bevölkerung zuzulassen, ist ein Zustand, bei* sich mit der Verfassung nicht in Einklang bringen läßt (Sehr richtig!). Und doch, meine Herren, will man nicht anerkennen, daß uns Unrecht geschieht. Man folgt Strömungen, die durch das Volk gehen, man beugt sich dem Terrorismus der antisemitischen Agitation, der die Inden zu Staatsbürgern zweiter Klasse herabdrncken will (Beifall!). Anstatt sich diesem Terrorismus zu entziehen, anstatt den antisemitischen Rufern im Streite, die da meinen, daß den Juden nicht die Verfassung gehalten zu werden brauche, mit aller Macht entgegenzutretcn, wird der Bewegung Vorschub geleistet, und thatjächlich werden die Juden wie Staatsbürger zweiter Klasse behandelt. Daß dies nnter Billigung der Mehrheit des preußischen Parlaments geschieht, ist mit erschreckender Klarheit in den Parlameutödebatten zur Sprache gekommen. Niederziehend ist es in der That, wie boit die Parteien sich zur Frage der Anstellung jüdischer Notare gestellt haben; abgesehen von dem Häuflein der Freisinnigen Vereinigung und der Freisinnigen Volkspartei, die mit anerkennenswertem Eifer für eine Sache eingetreten sind, die nicht blos eine Sache der Juden, sondern eine Sache des Rechtsstaates ist, ist Niemand für uns eingetreten. Daß die Konservativen geschwiegen haben, war von ihnen nicht anders zu erwarten; geschwiegen hat aber auch das Centrum. Wo sind die Tage hin, da Windhorst's Geist die Partei beherrschte, da Reichensperger der Staatsregierung gegenüber zugerufeu, er erwarte, daß sie auch auf dem Verwaltungswege den Grundsatz der Gleichberechtigung den jüdischen Mitbürgern gegenüber wahren werde. Die Zerren haben, sich geändert. Das Centrum ist nicht mehr Amboß, es ist Hammer geworden, und seitdem denkt es anders über die Fragen der Gleichberechtigung. Unvergessen bleiben wird das Verhalten der National- Liberalen, die mit ihren zwischen sog. Nationalität und Liberalismus pendelnden Seelen (sehr gut!) genug zu thun glaubten, wenn sie vom Minister sich versichern ließen, daß er die Juden nicht grundsätzlich ausschließe, sondern daß er auch einmal einen Juden anstelle, und denen das genug erschien, um ihm mit gutem Gewissen ein Vertrauens-