Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Prof. Dr. Zange [Rezension]
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 117 (sequence 7)
- Language
- German
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Lücherscharr. 117 Kindes beftuchteuder und erziehlicher wirkt, als der echte Glaube im Besitze dieser Wahrheit zu sein? Wer glaubt, daß die Wahrheit überhaupt, nicht nur die religiöse, von dem Glauben und Betenntniß abhängt, dem wird ihr Bild verschleiert bleiben, der predigt nicht die einende Liebe, sondern zersetzenden Haß. Die Harmonie in einem Lehrerkollegium beruht auf Liebe zu der ihm anvertrauten Jugend, auf Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Ueberzeugung und auf Gewissenhaftigkeit und taktvollem Handeln. Diese Eigenschaften eines Lehrers werden von der Jugend nicht nur geahnt, sondern von ihrem empfindlichen Herzen ausgenommen. Der Lehrer aber, der Lehrer und Schüler nach ihrem religiösen Bekenntniß bemtheilt und sondert, verbildet das jugendliche Gemüth und erstickt die vorurteilsfreie und unbefangene Beurteilung von Thatsachen und Menschen. Darin erblicken wir den größten Fehler konfessioneller Schulen; denn sie erziehen nicht für das Leben und das gemeinsame Vaterland, sondern für eine Richtung und eine besondere Gesellschaftsklaffe unter den vielen, für die das Ganze ein in gleicher Weise schützendes Dach sein soll. Es mag ja sein, wenn wir es auch bezweifeln, daß mit der konfessionellen Richtung einzelnen Familien und einer bestimmten kirchlichen Richtung der Wille geschieht, daß diese ihre Sonderintereffen gewahrt, ihre besonderen Wünsche erfüllt sehen, aber dem höheren, über alles stehenden Ganzen dient man nicht. Das Kind, und zwar nicht nur das jüdische, das nach feinem religiösen Bekenntniß gesondert und unterrichtet ist, fühlt sich später, wenn es in das Leben hinaustritt, geblendet und ftemd unter seinen Mitmenschen 'und Mitbürgern, es legt an seine Nebenmenschcn einen Maßstab, den das Lebem schonungslos verwirft; es leidet und fehlt am meisten durch die. eigne Schuld falscher Beurteilung und Behandlung des Nächsten. Es hat wohl, um es mit einem Worte zu sagen, das Gebot der Nächstenliebe kennen, aber nicht üben gelernt. Mithin verstößt die Konfeisionalität der Schule gegen ihren obersten Grundsatz von der Bildung und Erziehung fürs Leben. Wer aber Liesen Grundsatz anerkennt und bethätigt, der besitzt gerade das, was ihm der Vers, abspricht. Der Unterricht in den Sprachen und sog. wissenschaftlichen Unterrichtsfächern ist ihm ein Mittel zur sittlichen Erziehung, für die religiöse ist der Religionsunterricht allein bestimmt und geeignet. Wir selbst unterschätzen den Werth dieses letztgenannten Unterrichtsfaches keineswegs, wir verlangen ja gerade Verbreitung und Vertiefung des jüdischen Religionsunterrichts, aber Durchtränkunz anderer Unterrichtsfächer mit einseitig religiösen Anschauungen verwerfen wir gerade um der religiösen und nicht nur um der allgemein sittlichen Erziehung willen. Wir pflichten dem, was