Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Prof. Dr. Zange [Rezension]
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 116 (sequence 6)
- Language
- German
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116 Im deutschen Reich. weil es ihm die Ueberzeugung, sondern das Reglement gebietet. Damit wären wir in einen Zustand geistiger und sittlicher Unfreiheit und religiöser Heuchelei gedrängt; wer aber unter diesem Zeichen unterrichtet und erzieht, begeht nicht nur an sich, sondern auch an der Heranwachsenden Jugend ein schweres Verbrechen. Denn er setzt in diese ein Samenkorn, das weder dem Staate, noch der Familie, noch der Kirche" zum Segen aufgehen kann. Diesen Borwurf der Heuchelei macht der Derfaffer, der mit Vorwürfen gegen seine Kollegen nicht sparsam und rücksichtsvoll ist, dem Lehrer an der Simultanschule; er müsse, heißt es S. 19, „um des Prinzips willen, seinen Glauben zurückstellen" und „den Schein erzeugen, als ob Harmonie vorhanden sei, die thatsächlich nicht vorhanden ist". Ob an dem Xl. Deutschen Evangelischen Schulkongreß in Bannen auch Lehrer an Simultanschulen theilgenommen haben, ob sie sich diese Vorwürfe schweigend oder protestierend angehört haben, oder ob an diesem Kongreß nur Gesinnungsgenossen des Verf. theilgenommen haben oder theilnehmen sollten und durften, entzieht sich unserer Kenntniß und ist für unsere Beurtheilung der ausgesprochenen Ansicht ohne Belang. Wir brauchen den Trost nicht, daß der Verfaffer mit den Lehrern an Simultanschulen ebenso wenig glimpflich umgeht wie mit den jüdischen Lehrern an öffentlichen Schulen. Zur Sache aber bemerken wir, der Verfaffer verlange mit Recht Gewiffenseinheit, mit Unrecht Glaubenseinheit des Lehrers, mit Recht daß die Wahrheit bei der Charakterbildung uns über alles gehen soll, mit Unrecht, daß diese Wahrheit von dem Glauben und Bekenntniß alwänge. Während der Verfaffer zutreffend auf S. 20 bemerkt, das unablässige Streben nach Wahrheit sei kennzeichnend für den Menschen als Menschen und ein wesentliches Merkmal der Gattung Mensch, sagt er uns durch einen kleinen leeren Raum getrennt: „Juden und Christen als Lehrer an dersellen Anstalt anstellen — heißt die Gleichgiltigkeit gegen die Wahrheit als Gesetz proklamieren, heijck zur Gleichgiltigkeit gegen die Wahrheit erziehen. Zur Gleichgiltigkeit gegen die Wahrheit überhaupt, nicht nur' gegen die religiöse Wahrheit". Ja, wenn das nicht heißt/ Personen und Sachen durch die Brille der Dogmatik ansehen, wogegen der Verfaffer S. 19 eifert, was denn sonst? Der Verfasser hat sich in den engbegrenzten Gedankenkreis, aus dem heraus die konfessionelle Schule gefordert wird, so hineingedacht und hinemgeredet, daß er nicht aus ruhiger und klarer Erwägung zu der Forderung gelangt zu sein scheint, sondern für das thema probandum Beweisgründe sucht. Sollte dem Verfaffer die Erfahrung entgangen sein, daß das Streben nach Wahrheit unendlich viel höher steht und auf Geist ünd Gemüth des