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Im deutschen Reich · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. 102

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-02-01
Page
102 (sequence 3)
Language
German
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102 Im deutschen Reich. nur zu erklärlich. Wie ein frischer Luftzug wehte es dagegen jeden Unbefangenen an, als von liberaler Seite Worte fielen, welche die zum Nachtheile einer wehrlosen Minderheit versuchte Auslegung von Verfassung und Gesetz geißelten, als die Abg. Nickert, Barth, Richter, Wiemer und Crüger von ihrem liberalen Standpunkte aus die „Imponderabilien" des Ministers als Dinge bekämpften, welche ihnen offenbar gleichbedeutend mit dem -Preisgeben werthvoller Errungenschaften früherer freiheitlicherer Zeiten erschienen. Die Weltgeschichte, welche das Weltgericht ist, wird einst gewiß ganz anders urtheilen als jene Kammermehrheit, welche bei dieser Gelegenheit die freisinnige Minderheit mit. Hohn überschüttete, und auch über die Nationalliberalen, welche den Standpunkt ihrer früheren glänzenden Parteigroßen aufgaben, um sich ' der erfolgreichen Mehrheit anzuschließen. Vielleicht wird auch die erdrückende Mehrheit, welche sich zu dem denkwürdigen doppelten Vertrauensvotum zusammenfand, noch nachträglich einsehen, daß es sich dabei nur um einen Pyrrhus- Sieg handelte, daß Recht dennoch Recht bleibt. Die öffentliche Meinung fragt nicht nach zufälligen Majoritäten; sie wird nicht durch die Besucher von Pückler-, Bruhn- und Mosch-Versammlungen, auch nicht durch den exaltierten Schloßherrn von Rosenberg, den Abgeordneten Georg Schönerer dargestellt, der im österreichischen Parlamente am 12. Februar unrer Hinweis auf die Haltung des preußischen Justizministers den österreichischen Ministerpräsidenten fragte, ob er auch dafür Sorge tragen wolle, daß künftig in allen Zweigen der Staatsverwaltung Juden überhaupt aarnicht, oder nur in Ausnahmefällen angestellt werden. Die preußischen Antisemiten sind dabei weder durch den Justizminister Schönstedt noch durch die Kammermehrheit zufriedengestellt; bitter tadeln sie die Abgeordneten Hilgcndorf und Osiander. welche wohl den Aufruf des Konitzer Nebenuntersuchungs-Ausschusses mit Unterzeichneten, aber doch nicht den Muth hatten, in dem Abgeordnetenhause nach antisemitischer Art „unhöflich" zu werden; noch bitterer den Minister, der seinen Beamten sogar das Recht zugestand, als veruünftige Menschen das Vorkommen von Rrtualmorden zu bezweifeln. Mit halben Zugeständnissen sind eben diese verwöhnten Parteimänner nicht zufrieden zu stellen. Die „Deutsche Wacht" giebt ihrem Mißmuth über den halben Erfolg den nachstehenden Ausdruck: „Die schönen Reden der Minister sind verhallt. Der eine giebt neue Verordnungen heraus, der andere verwahrt sich, Antisemit zu sein. Die Verheißungen liegen zerriffen vor den Füßen des deutschen Volkes: die schwarze, die rothe, die goldene Internationale haben triumphiert! Wir sind die letzten, welche den Kampf scheuen. Im Kampfe sind, wir geboren, im

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