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Im deutschen Reich · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. 101

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-02-01
Page
101 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Korrespondenzen. 101 Lativer Stelle aus sein Rechtsanspruch als nur auf „mechanische Weise" zu begründen, oder als im Widerspruch zu „dem Interesse der Gesammtbevölkerung stehend", bezeichnet wird, aber (eine innere Stimme wird ihm dann auch sagen, daß ein solches offenes Bekenntnrß vornrtheilsvoller Gesinnungen weit weniger schädlich ist, als der latente Antisemitismus, der uns seit zwei Jahrzehnten auf fast allen Gebieten hemmend entgegenwirkt, der Anstellungen und Beförderungen versagte oder doch bedeutend erschwerte, ohne daß dem Betroffenen der Trost blieb, daß nicht seine Unfähigkeit, sondern nur seine Glaubenstreue die Ursache der Zurücksetzung war. Wir Juden haben leiden gelernt, ohne zu klagen, aber jetzt, da uns offen gesagt wird, daß wir nur um unseres Glaubens und unserer Abstammung willen leiden, können und wollen wir nicht schweigend dulden. Bis jetzt konnte man uns Vorhalten, wie herrlich weit wir es gebracht; man konnte -auf einige „Renommierjuden" in bevorzugten Lebensstellungen Hinweisen; man durfte es rühmen, daß unsere Gleichberechtigung ja durch Verfassung und Gesetz verbrieft sei — und es hat auch unter den Juden Leichtgläubige genug gegeben, welche die Zeit der Freiheit und Gleichheit bereits gekommen wähnten. Nun ist diese Täuschung vorüber; jetzt empfindet eine halbe Million deutscher Staatsbürger, daß ihre Abstammung und ihr Religionsbekenntniß von vielen ihrer andersgläubigen Mitbürger als etwas betrachtet wird, was den Anspruch auf das von allen gleich geliebte Vaterland vermindert, auf dessen Scholle doch auch unsere Wiege stand, in dessen Erde auch die Gebeine unserer Ahnen ruhen. Das hat im Nu wieder alle deutschen Juden zu Leidensgefährten gemacht; groß und klein, arm und reich, sind in ihren heiligsten Empfindungen gekränkt und weil uns Gott die Gabe verlieh, in deutschen Worten zu sagen, was wir leiden, sollen und wellen wir es hinausschreicn in alle Welt, bis von dem Aufschrei des gekränkten Rechts alle Freunde der bürgerlichen Freiheit und der Rechtsgleichheit, alle Feinde längst veralteter mittelalterlicher Vorrechte aus dem Schlafe geweckt werden und die wieder aufgerichteten Ghettefchranken zusammenbrechen wie die Mauern von Jericho vor dem Schalle jüdischer -Posaunen! „Wenn ich von Ritualmord höre, umweht mich die Atmosphäre des Narrenhauses" sagte der Abg. Eugen Richter, als die Antisemiten die ihnen günstig erscheinende Stimmung im Abgeordnetenhause dazu benutzten, die traurige Konitzcr Mordangelegenheit mit in die Debatte zu ziehen. Der mittelalterliche Moder, der bei den eingegangenen Auseinandersetzungen aufgewirbelt worden war, macht dies

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