Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 93 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 93 W der Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg das Wort ergriff, wurde er mit Losendem Jubel empfangen. Nach dem Berichte der „Voss. Ztg." sagte der antisemitische Wortführer etwa Folgendes: Die Sozialdemokratie habe ein Flugblatt verbreitet: „Was kosten uns unsere 25 000 Junker?" Da liege doch wohl die Frage näher: „Was kosten uns unsere Juden? Man brauche nur die Milliarden ins Auge zu fassen, mit denen die Börse spielt, um die Wichtigkeit dieser Frage zu verstehen. Das Judenthum fühle ganz richtig, daß der Augenblick gekommen ist, einen Vorstoß gegen die Landwirthjchaft zu machendes mache mobil und habe schon im Parlamente seinen Peltasohn vorgeschickt. (Heiterkeit.) Seine Solidarität zeige sich auch bei dem Konitzer Morde. Dieses Solidaritätsge.ühl sollte man sich im besseren Sinne zum Muster nehmen. Aber im Abgeordnetenhaus habe wieder einmal der Geist des Herrn v. Bismarck von 1849 geweht. Wenn ein Redner gesagt habe, die Juden haben keine nationalen Instinkte, so sei das unrichtig, sie.haben sogar ausgesprochen nationale Instinkte, nur keine deutsch-nationalen. Sozialdemokratie und Judenthum ziehen einen Strang. Die Sozialdemokratie habe zwar scheinbar das Liebeswerben der Kommerzienräthe zurückgewiesen; thatjächlich spiele aber das rothe Gold der goldenen Internationale hinter den Kulissen der rothen Internationale eine große Rolle. Die freien Städte schließen sich dem Geschäfte an; Herr Ballin in Hamburg soll ja jetzt der Mann sein, der noch nicht an der richtigen Stelle steht (schallendes Gelächter). Der Herr Staatssekretär im Reichsschatzamte habe geäußert, es werde unmöglich sein, den neuen Zolltarif noch in dieser Session vorzulegen. Man müsse dem Herrn ein kräftig Wörtlein mit auf den Weg geben; denn unmöglich sei nichts; es müsse eben nur befohlen werden (Beifall). Die Stärke der Monarchie, schloß der alte antisemitische Rufer im Streit, beruhe nicht in geräuschvollen Kundgebungen des Auslandes für die Person des Monarchen, sondern in den innerlichen Beziehungen des Monarchen zum eigenen Volke. Diese Beziehungen seien aber getrübt durch den englischen Nebel, der sich zwischen Fürst und Volk gelegt habe. Möge an Bismarcks Geburtstage sich ein Sturm erheben, der diesen Nebel hinwegfege. Fort mit der Engländerei! — Stürmischer Beifall belohnte die Schlußworte. Der nächste Redner, Reichstagsabgeordneter vr. Oertel, Redakteur der agrarisch-antisemitischen „Deutschen Tageszeitung", erging sich in ähnlichen Redensarten und meinte: „Was das Verhältniß der Sozialdemokratie zum Großkapital betreffe, so habe jene nunmehr, nach langer Ziererei, das Anwinseln der Kornmerzienräthe erhört. Der Bund sei, wie der „Vorwärts" beweise, seit