Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 92 (sequence 3)
- Language
- German
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92 Im deutschen Reich. Sodann erfolgte die einstimmige Annahme nachstehender Resolution: „Die versammelten jüdischen Bürger Berlins legen nach-- drücklichst Verwahrung ein gegen die aus den Reden des preußisches Justizministers vom 31. Januar und 8/9. Februar er. ersichtlichen Derwaltungsgrundsätze, welche mit aller Deutlichkeit ergeben, daß unsere Glaubensgenossen wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion die Gleichberechtigung im preußischen Staatsdienst nicht genießen." Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hatte s. Zt. das Ersuchen an das kgl. Provinzial - Schulkollegium gerichtet, in der kgl. Elisabethschule, in welcher 11 jüdische Schülerinnen am christlichen Religionsunterrichte theilnahmen, die Ertheilung jüdischen Religionsunterrichts zu veranlassen. Als das Gesuch mit dem Hinweis auf Raumschwierigkeiten abschläglich beschieden wurde, veranlaßten die Repräsentanten den Vorstand, den Antrag zu erneuern. Am 8. Januar ist nun ein Schreiben der kgl. Behörde eingegangen, in dem es heißt: „Wir glauben, daß diesen Schwierigkeiten begegnet werden kann, wenn wir für den jüdischen Religionsunterricht, soweit die Unterstufe in Frage kommt, die Stunden von 12 — 1, sofern es sich um die Mittel- und Oberstufen handelt, die Stunden von 1—2 in Aussicht nehmen? Auch würden wir bei dieser Einrichtung dafür Sorge tragen, daß an den betreffenden Tagen der Schuluntericht für die jüdischen Schülerinnen der Unterstufe erst um 10 Uhr, für diejenigen der Mittel- und Oberstufe erst um 9 Uhr seinen Anfang nähme. Bevor wir jedoch in dieser Richtung Weiteres veranlaffen, sehen wir einer bestimmten Aeußerung darüber entgegen, ob die jüdische Gemeinde die aus der geplanten Einrichtung sich ergebenden Kosten zu übernehmen bereit ist". Der Gcmeindevorstand hat sich dazu sofort bereit erklärt. Der Referent Professor Blaschke hob in der nächsten Repräjentanten-Sitzung hervor, daß aus dieser Antwort das Wohlwollen des Kultusministenums herausgelesen werden könne; auch die geeignetste Zeit sei in unmittelbarem Anschluß an die anderen Stunden für den jüdischen Religion, unterricht festgesetzt worden. Die Repräsentanten-Dersammlung nahm eine Resolution an, in der die Befriedigung über das Schreiben des Provinzialschulkollegiums zum Ausdruck kam und der Gemeindevor-stand ersucht wurde, die ihm geeignet erscheinenden Maßnahmen zu treffen, damit der Religionsunterricht von allen jüdischen Kindern in dieser Anstalt besucht werde. Bei der jüngsten Generalversammlung des „Bundes der Landwirthe" 'kam der Antisemitismus wieder ganz und voll zur Geltung