Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 89 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 8N begehen würden, wenn sie sich jetzt an andere Parteien als an freiheitlichgesinnte anlehnen wollten, war dies die Beurtheitung, welche die konservativen Blätter einem in dem „Jüdischen Familienblatt" veröffentlichten Briefe eines „in hoher Staatsstellung befindlichen christlichen Freundes" und den dazu von jenem Blatt gelieferten Kommentar zu theil werden ließen. Das „Familienblatt" hatte gesagt: „In dem Augenblicke, in dem das deutsche Judenthum seine idealen und von wärmster Liebe zum deutschen Daterlande diktierten Wünsche auch von den rechtsstehenden Parteien, Konservativen, Landwirthebund u. s. w., mit entschiedener Schärfe und aufrichtiger Ehrlichkeit vertreten sähe, würden Staatsbürger jüdischen Glaubens, wie cs das Beispiel Englands zeigt, sich ebenso zahlreich der politischen Rechten anschließen. . Darauf entgegnet die „Kreuz-Zeitung", die Juden seien im Leibe der deutschen Nation ein unverdaulicher Fremdkörper; ihr Anschluß an die politischen Parteien der Rechten würde die Dinge schlimmer machen, als sie sind. Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" führte aus: „Soweit wir die Stimmung kennen, babcn die Konservativen und der „Bund der Landwirthe" durchaus kein Dedürfniß, ihre Reihen durch diesen Zuzug zu verstärken. Es liegt dam nicht die mindeste innere Veranlassung vor. Ob eine Uebereinstimmung zwischen den Idealen des Christenthums und denen des Judenthums allgemein oder auch nur im einzelnen möglich sei, soll hier nicht von neuem untersucht werden. Jedenfalls herrscht in den Parteien der Rechten und im „Bunde der Landwirthe" die Ueberzeugung, daß eine solche Uebereinstimmung weder vorhanden noch möglich iei." — Die Juden werden dabei nichts verlieren, wenn diejenigen Parteien, welche rückschrittliche Tendenzen verfolgen, ihnen die Aufnahme versagen, denn die Ziele dieser politischen Fraktionen können niemals die unsrigen sein, welche nicht nur der Wohlfahrt und Ehre des jüdischen Bestandtheils des deutschen Volkes, sondern der des gesammten Vaterlandes gelten. Niemals können wir uns für die Rückkehr zu mittelalterlichen Zuständen erwärmen; niemals dürfen wir, wie die Antisemiten zu Knechten werden, die andere zu Knechten machen helfen! Unser Judenthum verpflichtet uns zu keiner politischen Parteiftellung; jeder deutsche Jude kann sich derjenigen Fraktion anschließen, die seiner persönlichen politischen Ueberzeugung entspricht. Aber diese Partei muß ihm die Möglichkeit gewähren, seine religiöse Ueberzeugung zu bewahren; sie muß die Gewissensfreiheit schützen wie die Ehre und Sicherheit des freien Mannes. Wir haben uns, obgleich viele Jahrhunderte hindurch widerrechtlich geknechtet, in. unsern Ueber-