Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Im deutschen Reich. Ich habe an einer Anstalt von 3 8 Klaffen in beiläufig 33 Jahren die nöthige Erfahrung machen können, daß die jüdischen Schüler bei jeder Art von Inspektion, stets wo es galt^sich zu Zeigen, besonders eifrig, besonders unbefangen, um nicht zu sagen besonders dreist gewesen sind, mit sich selbst und dadurch auch mit ihrer Klasse Ehre eingelegt oder einzulegen vorzugsweise beigetragen haben, und es müßte doch wunderbar zugehen, wenn dieses Motiv — ich will es einstweilen das Motiv des Ehrgeizes nennen — nicht ganz besonders zur Geltung käme bei einer Anstalt, an der ein starkes Drittel aus jüdischen Schülern besteht. . . . Wir fürchten mit einem Wort, daß der Same auf dem neuen Acker zwar nicht ganz, aber doch zu einem guten Theil zu der Art gehört, die bald aufgeht, dieweil sie nicht tiefe Wurzel hat." Der kompetenteste Beurtheiler des Frankfurter Gymnasiums und der dortigen jüdischen Schüler, der langjährige Direktor der Anstalt, Dr. Reinhardt, äußert sich freilich ganz anders als der Her? Geheimrath, welcher die Anstalt ein Mal oder auch mehrere Male inspiziert hat. I)r. Reinhardt schreibt: „Herr Geheimrath I)r. Jäger in Köln hat vor einiger Zeit im „Humanistischen Gymnasium" eine Auslastung veröffentlicht, die auch durch die Zeitungen gegangen ist. Es ist wohl zu beachten, daß hier gute Eigenschaften der jüdischen Schüler dazu benutzt werden sollten, um unsere Bemühungen als minderwerthig hinzustellen. Aber diese Beweisführung ist hinfällig, da ein durchgreifender Unterschied der Begabung nur der Voreingenommenheit sichtbar wird in Wirklichkeit aber nicht existiert. Ich möchte voraussetzen, daß derjenige Herr (der Antisemit Schack in Hamburg), der die Bemerkung in der Wählerversammlung gemacht hat, von jener Veröffentlichung des Herrn Di*. Jäger durch Hörensagen Kenntniß erhalten, aber nicht genau erfahren hat, warum es sich handelt. Jedenfalls ist es eine entschiedene Fahrlässigkeit, mir etwas völlig Unwahres, aus der Luft Gegriffenes anzudichten. Alle solche Erörterungen über Rasseyunterschiede innerhalb der Volksgenossen, die nach Recht und Gesetz das deutsche Volk bilden, scheinen mir ebenso unfruchtbar, wie sie unerquicklich sind." Gewisse „Nichtantisemiten" belehren die Juden, daß sie nur dort auf eine vorurtheilslose Beurteilung zu rechnen haben, wo das Recht, das mit uns geboren wird, beachtet, wo die jeder Streberei abholde Freiheit der Menschenwürde geschützt wird, auf welche jeder pflichttreue Bürger Anspruch hat. Wenn irgend etwas geeignet war.' die deutschen Juden zu belehren, daß sie einen moralischen Selbstmord