Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 87 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 87 ausgestellt. Bei der Abstimmung gaben u. A. ihre Stimmen für den Fleischermeister Hosfmann ab: Gymnasialdirektor Braun, Vorsitzender des Ostmarkenvereins, die Professoren Bänitz und Zerbst, der Oberlehrer vr. Lämmerhirt, der Kreisschulinspektor Or. Hilfer, dem auch die jüdische Schule untersteht. Auch warben mehrere dieser Herren im Wahllokal eifrig für den antisemitischen Kandidaten. Diese offene Bekundung antisemitischer Gesinnung bei den Lehrern der „höheren" Jugend erregte Verwunderung und — Entrüstung. Glück hatten die Herren nun freilich nicht, denn der Gegenkandidat, Direktor der Stärkefabrik Blumenthal, wurde mit 16 Stimmen Majorität gewählt." Die in Form einer Berichtigung veröffentlichte Erklärung des Schneidemühler Gymnasial-Professors M. Bänitz, „es sei völlige Willkür, Männern, weil sie für Herrn Hoffmam ihre Stimmen abgegeben haben, antisemitische Gesinnung zuzuschreiben," verdient der Vergessenheit entzogen zu werden. Der raffenantisemitische Standpunkt des Fleischermeisters Hoffmann konnte seinen Wählern nicht unbekannt sein; sie standen ihm sicher selbst nicht fern, wenn sie ihm nur deshalb ihre Stimmen gaben, weil sie nach Aeußcrungen der „Kreuz- Zeitung" und der „Staatsbürger-Zeitung" den Gegenkandidaten für einen Juden hielten. Direktor Blumenthal in Schneidemühl ist aber kein Jude, sondern der Sohn evangelischer Eltern. Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, das; die Zahl derer, welche sich in Deutschland offen zum Antisemitismus bekennen, eine ziemlich geringe ist, daß es aber sehr viele giebt, welche bewußt oder unbewußt die weitgehenden Ansprüche dieser kleinen Zahl unruhiger Köpfe erfüllen oder doch fördern, trotzdem sie sich öffentlich dagegen verwahren, für Judenfeinde gehalten zu werden. Trotz seiner Assefforen-Paragraph-Versuche und seiner neuerlichen den Antisemiten hochwillkommenen Verfaffungs - Interpretationen erklärte der Justizminifter Schönstedt am 8. Februar, „er würde es dankend ablehnen, wenn ihn die antisemitische Partei als einen der Irrigen in Anspruch nehmen wollte". Der sich in politischer Beziehung zu den Liberalen rechnende Gymnasialdirektor, .Geheimrath vr. O. Jäger in Köln, dürste noch entschiedener eine Anbiederung der Antisemiten ablehnen, aber er hat sich dennoch durch einen in der Zeitschrift „Humanistisches Gymnasium" veröffentlichten Artikel über das Frankfurter Reform-Gymnasium die unbegrenzte Verehrung der Kreuz-Zeitung und der „Deutschen Tages-Zeitung" zugezogen. Er schrieb nämlich: „Wir haben im Verdacht des Antisemitismus gestanden, sind aber gewöhnt, wo es sich um ein wichtiges öffentliches Interesse handelt, ohne Umschweife zu reden.