Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316679--07784-2327368- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 Im deutschen Reich. Wenn neuerdings der Herausgeber der „Staatsbürger Zeitung", Wilhelm Bruhn, in der Schneidemühler Gegend umherreist und dort die herbeiströmenden Landleute durch Vorträge über den angeblichen Konitzer Blutmord gegen die jüdische Bevölkerung aufreizt, um für seine Kandidatur und das von ihm. herausgegebene Blatt Anhänger zu werben, wenn der Kloxiner Pfarrer Krösell in den ihm zu diesem Zweck überlassenen Schullokalen der Pyritzer Gegend in sogenannten „wissenschaftlichen Vorträgen" auf - Grund angeblicher talmudijcher Studien das Vorkommen von Rüualmorden zu beweisen sucht und damit eine leichtgläubige Hörerschaft verblüfft, wenn Hans von Mosch in den Provinzen Schlesien und Sachsen eine ähnliche Thäti.feit entfaltet, um für seinen phantastischen Volkobund;u werben, lassen dies die meisten Verwaltungen ruhig zu, und nur ganz vereinzelt wird diesem gefährlichen Treiben Einhalt gethan. Hi r versagen die Handhaben, die bei sozialdemokratischen Veranstaltungen so erakt fungieren, trotzdem die antisemitische Wühlerei d>e öffentliche Ordnung in weit schlimmerer Weise gefährdet und die Straflosigkeit der den Gesetzen bohnspreckenden Aufreizungen die Massen nicht nur über die Gesinnungen, sondern auch über die Befugnisse. der Verwaltungsorgane täuscht und mit einem Geiste erfüllt, der zur Anarchie führen muß. In der Gegend von Kreuz, Loosen, Hammerstein und ScklochaL haben schon im Vorlahre anläßlich der antisemitischen Hetze Unruhen stattgefundcn; um so entschiedener war es zu vcrurtheilen, daß es dem bekannten antisemitischen Verleger Wilhelm Bruhn ermöglicht wurde, durch Vorträge „über die Ursachen der Nichtentdeckung des Mörders Winters" die Gemüther aufs neue zu erngen und in ihnen an der Tüitigkeit und Zuverlässigkeit der Uutersuchungsbeherden Zweifel zu erwecken. Gegen die Verfügung des Negierungspräsidenten in Marienrmrder, durch welche die Abhaltung der Versammlung in Schlochau v« rhindert wurde, will Bruhn sogar den Klageweg beschreiten. Die öffentliche Erklärung des polnischen Kulturingenieurs A. Jaks, daß er vielleicht einer der ersten sein werde, der Herrn Bruhn zur Erlangung des Reichstagmandats beglückwünscht, hat viele Mitglieder des „Ostmarken-Vereins" nicht verhindert, sich um den antisemitischen Ag tator zu schaaren. Der Schneidemühler Berichterstatter der „Liberalen Kor'espondenz" machte darauf aufmerlsam und schrieb am 26. Januar: „Zu der heutigen Stadtverordnetenersatzwahl hatten die führenden Mitglieder des Ostmarken-Vereins den antisemitcnführer Flesschermeister Hermann Hoffmann,. einen Bruder des aus der Konitzer Affaire bekannten Fleischermeisters Hoffmann,