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Im deutschen Reich · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. 83

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-02-01
Page
83 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 83 Übung in Zusammenhang stehen, eine Bestimmung, die ganz selbstverständlich ist, wenn man sich nicht zu der Behauptung versteigt, daß auch jeder wissenschaftliche Unterricht vom Geiste des Christenthums durchweht sein müsse, oder zu derjenigen, daß kein jüdischer Richter der Eidesleistung die rechte Weihe verleihen könne u. dgl. m. Derartige veraltete Ansichten werden jetzt wieder von allen Organen kundgegeben, die entweder die Aeußerungen des Justizministers für weitere rückschrittliche Bestrebungen ausnützen wollen, oder die als unverfänglich und mit Gesetz und Verfassung vereinbar hinstellen möchten. Zu den ersteren Parteiblättern gehört offenbar die antisemitischagrarische „Deutsche Tageszeitung", die durch eine von der „Voff. Ztg." am 2. Februar gebrachte Mitteilung, der Kaiser habe zu dem jüdischen Generaldirektor Ballin in Hamburg gesagt, „daß Sie Jude sind, ist mir gleichgültig; das m.icht mir nichts; das können Sie jedem sagen", zu folgender bemerkenswerthen Aeuße'ung veranlaßt worden ist: „Wenn Se. Majestät der Kaiser wirklich gesagt hat, daß es ihm ganz gleichgültig sei, ob Direktor Ballin Jude sei, so kann er damit nur gemeint haben, daß die Befähigung zu einer Stellung von der Art, w''". .ie Direktor Ballin einnimmt, nicht vom Religionsbekenntnisse abbän^e. Daß Se. Majestät etwa gemeint habe, ihm sei das Religionsbekenntniß im allgemeinen gleichgültig, ist schlechterdings unmöglich. Das würde dem ganzen Wesen des Kaisers, seiner Stellung zum Christentume und vielen früheren Ansprüchen unmittelbar widersprechen. Sollte aber Se. Majestät der Kaiser, — was wir durchaus nicht annehmcn können, — mit seinem Ausspruche ganz im allgemeinen haben sagen wollen, daß chm das Rcligonsbekenntniß gleichgültig sei, so würde damit weder der tz 14 der preußischen Verfassung, wonach das Christenthum gewissermaßen verfassungsmäßige Grund! ige des preußischen Staates ist, noch auch das Reckt des christlichen deutschen Volks auf christliche deutsche Richter irgendwie berührt." — Es genügt wohl, diese verblümte Drohr ng des offiziellen Organs des „Buntes derLandwirtbe" dem Monarchen gegenüber niedriger zu hängen; sie entspricht übrigens vollständig derRcjpettlosigkeit, welche hervorragende Mitglieder jenes Bundes im „Cirkus Busch" den Ministem gegenüber bekundeten, d e sich ihnen nicht hinreichend gefügig zeigten. Die radikalen Antisemiten wetteifern mit den Politikern der „Deutschen Tageszeitung", und insbesondere wagt es der mchsische Landsmann 'des Dr. Oertel. Oswald Zimmermann als Herausgeber der „Deutschen Wacht" über jene von der Voff. Ztg. weiter verbreiteten kaiserlichen

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