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Im deutschen Reich · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. 77

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
Das Tödten der Schlachtthiere
Date
1901-02-01
Page
77 (sequence 5)
Language
German
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Das Tödten Der SchlachLthiere. 77 nur die in dem „Nachtrag" aufgeführten 53 Thierärzte unbeachtet gelassen, sondern auch den Umstand übersehen, daß es selbstverständlich unmöglich gewesen ist, alle Thierärzte zu befragen. Thatsächlich sind nahezu sämmtliche beamtete Thierärzte, Departements-, Kreis-, Landes-, Polizei- und Schlachthof-Thierärzte befragt worden, also diejenigen, welche kraft ihres Amtes am ehesten zu einem Urtheil befähigt und berechligt sind. Für eine medizinische Frage würde man auch kaum sämmtliche Preußischen Aerzte, für eine technische kaum sämmtliche Techniker Preußens um ihr Unheil angehen! Zudem pflegen aus allen wiffenschaftlichen Gebieten Gutachten nicht gezählt, sondern gewogen zu werden. Noch unzuläsiiger ist es, Beweiskraft von wissenschaftlichen Gutachtern nach der Landeszugehörigkeit zu bewerben und nur Aussprüche preußischer Thierärzte gelten zu lassen. Warum ein bayerischer, badischer, elsässischer x. Thierarzt weniger competent sein sollte, als ein preußischer, ist das Geheimniß der antisemitischen thierärztlichen Schächtgegner! Der Antisemitismus ist doch sonst stets international und verbrüdert sich sofort ohne irgend eine vaterländische Regung mit jeder Nationalität, sobald in dieser judenfeindliche Gesinnungen sich kundgeben. Daran aber kann er nichts ändern, daß die jüdische rituelle Schlachtmethode von echten Thierfreunden dem Betäubungoschlag vorgczogen wird, daß das Niederlcgen des Thiercs vor dem Schächten, wenn es vorschriftomäßig geschieht, keine Quälerei ist, Laß Schächteinschränkungen ebensogut wie Schäcktverbote gleichbedeutend sind mit einer Verletzung des den Staatsbürgern jüdischen Glaubens gesetzlich gewährleisteten Schutzes ihrer religiösen Einrichtungen. II. Der „Berliner Thierschrrtz-Verein"*) hat es bekanntlich für gut befunden, seine wenig beachtete Existenz dadurch an das Licht der Ocffentlichkeit zu bringen, daß er seine Segel von anrisemitisckem Winde blähen ließ. Er hat einen Feldzug gegen das Schächten eröffnet und in thier- und menschenfreundlicher Weise den Juden den Rath gegeben, „einen rituellen Gebrauch aufzugeben, der in Widerspruch steht mit dem sittlichen Empfinden unserer Mitbürger und der daher mehr als irgend ein anderer Gegensatz geeignet ist, die Juden als fremden Bestandtheil im Körper der Nation, der sie angehören und mit der sie in Frieden Zusammenleben wollen, empfinden zu laffen". *) Nicht zu verwechseln mit dem „Deutschen Thierschutz-Verein*.

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