Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 45 (sequence 5)
- Language
- German
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^»citru i» 11 wu;u cwinr. gestellten Erhebungen das von demselben in Zakrzewo Ihnen gegenüber beobachtete ungebührliche Benehmen bewiesen haben. Indem ich Ihnen über das unliebsame Vorkomniß mein Bedauern ausspreche, thcile ich Ihnen mit, daß HarLmann hierfür eine ernstliche Verwarnung erhalten hat. gez. Capelle. Wenn gegen Verunglimpfungen, welche einzelnen Juden durch antisemitische Beamte zugefügt werden, stets in derselben Weise vorgegangen würde, wie dies seitens des Herrn Drucker geschehen, dann würden die Vorgesetzten Behörden sicher nicht nur Remedur eintreten lassen, sondern auch ferner darüber wachen, daß die ihnen unterstellten Beamten sich von einem willen agitatorischen Treiben zurückhalten, welches zu Ungesetzlichkeiten verleitet. Die am 17. Januar in den Humen des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde, Berlin W., Potsdamer Straße 9. abgehaltene ordentliche Versammlung des Central - Vereins war so zahlreich besucht, daß der große Saal die Besucher nicht fassen konnte und ein großer Tbeil derselben sich mit einem Platz in dem Neben, saal begnügen mußte. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt l)r. Horwitz, die Versammlung eröffnet hatte, erhielt Herr Prcfeffor Pr. M. Philippson das Wort zu einem Vortrag über „Die Judentaufen der Gegenwart". Der Redner wies zunächst darauf hin, daß das Judentum im Laufe der Jahrtausende bedeutende Bestandtheile seiner Bekenner durch Verfolgung aller Art verloren habe, und daß erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die tiefbedauerliche Erscheinung eingetreten sei, daß sich eine größere Zahl von Juden entschloß, ohne Zwang ihre Religion zu wechseln. Dies war erstens auf den Jrrthum zurückzuführcn, daß das Judenthum mit den Anforderungen der modernen Kultur nicht zu vereinen sei, zweitens auf den damaligen Mangel eines geordneten, nicht nur dem Fonnen-Kultus gewidmeten Religionsunterrichts. Inzwischen ist jener Jrrtbnm widerlegt und der erwähnte Mangel beseitigt worden. Wenn trotzdem in den letzten Dezennien die Zahl der Uebertritte in Deutschland erheblich zugenommen habe, müffe man nach den Gründen dieser bedauerlichen Erscheinung forschen. Als solche Gründe führte der Vortragende bie* Kräftigung des nationalen Gedankens an, welchem die Abtrünnigen zu huldigen meinen, während ihr Schritt nicht eine Anerkennung des nationalen Gedankeus, senden: nur eine schmachvolle Verbeugung vor dem Antisemilismus sei. Als ein weiterer Grund für den Uebertritt werde von Vielen die vermeintliche Inferiorität der jüdischen Religion und Sittenlebre angegeben. Der Vortragende führte, tbeilweise