Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 27 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 37 Reichsrathswahlen mehrere Mandate verloren haben, aber die nationalen und radikalen Fraktionen, welche Erfolge erzielten, nicht minder antisemitisch gesinnt sind. Wenn der Wiener Bürgermeister vr. Lueger in antisemitischen Wählerversammlungen sich damit biüfteie, daß die von .ihm geleitete christlich-sociale Partei Großes gewollt und Großes geleistet habe, wird selbst unter seinen Anhängern nur der tleinste Theil dieser aufschneiderischen Redensart besonderen Werth beilegen, da die wirthsckaftlichen Derhältnisie in Wien damit im schneidendstem Kontrast stehen. Eine andere, dem Feldmarschall Radetzky nachgeahmte Phrase Luegers: „In der christlich-socialen Partei ist jetzt das Lager Oesterreichs zu suchen", klingt nicht überzeugender, denn das judenfeindliche Regiment der Anhänger Luegers hat bisher nur Parteigrößen gefördert, sonst aber niemandem Heil gebracht. Wäre die Zerfahrenheit der liberalen Parteien und die Unklarheit unter den sogenannten Deutsch-Natienalcn in Oesterreich nicht so gnß, dann würde die Regierung nicht gezwungen sein, mit den Myrmidonen Luegers weiter „fortzuwursteln" und nebenher die Polen zu protegieren, die sich mit den judenfeindlichen Parteien zu vertragen suchen. In Grodek bei Lemberg kam es am 20. Dezember bei der Reichsrathswahl zu ernsten Ruhestörungen, welche durch das lügnerische Gerücht hervorgerufen wurden, daß ein Jude einen fat^oliid>en Geistlichen geschlagen habe. Das requirierte Militär stellte die Ruhe wieder her. Der Zweck und die Wirkung der Eresie war, daß der jüdische Candidat vr. Ko lisch er nicht wiedergewählt wurde, sondern dem „unabhängigen" polnischen Mitbewerber unterlag. Auch in Rumänien stehen die Dinge für die Antisemiten zur Zeit weit bester als sich nach den ersten menschenfreundlichen Verfügungen des Ministeriums Carp erwarten ließ. Die „Alliance Israelite“ ist zwar bemüht, durch Unterstützung der dortigen Spitäler und anderer Wohlfahrtseinrichtungen, die Lage der Juden in Rumänien erträglicher zu gestalten, aber dieselben sind durch die beständigen Anfeindungen und die verschlechterten Erwerbsverhälmisse kaum noch an die rumänische Schelle zu fcffeln. Wie das „Bukarester Tageblatt" berichtet, steht für den Frühling unter den Juden in ganz Rumänien eine mächtige Auswanderungsbewegung bevor, welche heute schon planmäßig organisiert wird und sich ausschließlich auf brauchbare, arbeitsame Elemente erstrecken dürfte. Nach einem der „Voff. Ztg. aus Bukarest zugegangenen Bericht hat die allgemeine Krisis, welche die Einstellung der öfsentlichen Bauten auf den Handwerkerstand ausüben mußte, unter den rumänischen Handwerkern eine heftige Bewegung hervorgerufen, die sich zunächst gegen die in ganz gleicher Weife unter